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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
C c H 5 . ONa 
C 6 H 5 . ONa 
2 Mol. Phenolnatrium 
C e H, . OH + C ß H 4 Na . ONa 
Phenol Dinatriunrphenol 
C s H 4 Na . ONa -f COO = (LH,, ! 0Na 
ICO . ONa 
Dmatriumphenol Natriumsalicyls. Natrium 
Sehr bemerkenswert ist es, dass bei der Temperatur, bei welcher 
aus Phenolnatrium mit Kohlensäure Salicylsäure erhalten wird 
I henolkalium die isomere Paraoxybenzoesäure liefert 1 ), während 
bei niedrigerer Temperatur aus Phenolkalium ebenfalls Salicylsäure ent- 
steht; ja wie Hr. Ost im Kolbe’schen Laboratorium beobachtet hat 2 ) 
zerfällt salicylsaures Natrium beim Erhitzen auf 220» in natriumsali- 
cylsaures Natrium, Phenol und Kohlensäure; salicylsaures Kalium da 
gegen bei derselben Temperatur in kaliumparaoxybenzoesaures Kalium, 
I henol und Kohlensäure. Diese Reactionen gehen im Sinne folgender 
Oleichung vor sich: 
2C ö H 4 QNa = C 6 H 4 [cQ a 0Na + C 6 H 5 . OH + C0 2 . 
Baryt, Strontian, Kalk und Magnesia liefern nach Hrn. Ost bei 220» 
Salicylsäure, wirken also wie Natron. 
Kolbe’s Patent bezieht sich nicht allein auf Phenol, sondern 
auch auf Kresol und die homologen Körper, welche Kresotinsäure und 
Homologe liefern. 
Diese Entstehung der Salicylsäure aus Phenol (Carbolsäure) und 
Kohlensäure und die bekannte Eigenschaft derselben, in höherer Tempe 
ratur wieder in Carbolsäure und Kohlensäure zu zerfallen, brachten 
Hrn. Kolbe auf die Vermuthung, dass sie, ähnlich der Carbolsäure, 
antiseptische Wirkungen äussern möge. Dahin zielende Versuche sind 
theils von Hin. Kolbe, theils von anderen Chemikern und von 
Aerzten angestellt worden und sind noch im Gange. Sie haben die 
obige Vermuthung bereits vollauf bestätigt, und so ist die Salicylsäure 
als solche und in form verschiedenartiger Präparate in die Hände des 
Publicums gelangt. Besonders die Heilkunde hat die Einführung der 
Salicylsaure in den Arzneischatz mit grossem Enthusiasmus begrüsst. 
n der Chirurgie der Gynäkologie, bei der Behandlung von Krankhei- 
ten, dm durch Blutzersetzung veranlasst werden und deren Ursache in 
der Entwickelung von Mikrozoen liegt, wie Diphtheritis u. a., sowie 
in der Vetennärpraxis hat sie bereits erspriessliche Dienste geleistet 
Ihre gährungshemmenden Eigenschaften machen sie für die Keller' 
Wirtschaft in Bezug auf Wein und Bier sehr wichtig, wie die Ver 
suche^ Hrn. Neubau er’ s 3 ) und Anderer zeigen. Auch zur Conservirung 
3 ) Kolbe, J. pr. Cheni. X 
Ost, J. pr. Obern. XI, 385. 
Bingl. pol. J. CCXV, 169. 
103. 2 ) Kolbe, J. pr. Obern. XI, 24; 
s ) Neubauer, J. pr. Chem. XI, 1 u. 354;
	        
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