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Organische Säuren.
Purpurins mittelst Salpetersäure (Schunck), ferner als Nebenproduct
bei Darstellung der Anthracbinonsulfosäuren (Weith und Bindsched-
C EL
ler), schliesslich durch Oxydation der Orthotoluylsäure C ( ; II 4 <(q q q
mittelst Kaliumpermanganats (Weith).
Für die Bereitung der Phtalsäure in grösserem Maassstabe bildet
ausschliesslich das Naphtalin den Ausgangspunkt. Ein Verfahren zur
Darstellung der Phtalsäure im Grossen wurde angegeben von P. und E.
Depouilly *), welche sie zur Bereitung von Benzoesäure (vergl. Ber. II,
S. 432) anwandten. Naphtalin wird zunächst durch Behandlung mit
Kaliumchlorat und Salzsäure in der Kälte in ein Gemenge von Chlor-
additions- und Substitutionsproducten verwandelt, letztere werden im
Wasserbad mit Salpetersäure versetzt und dem Gemenge von Oxydations-
producten die Phtalsäure durch Wasser entzogen.
Nach neueren Versuchen H.Hrn. Lossen 2 ) und Vohl 3 ) lässt sich
bei Einhaltung der geeigneten Verhältnisse auch die Darstellung der
Phtalsäure durch directe Oxydation des Naphtalins mittelst Mangan-
superoxyd und Schwefelsäure oder besser mittelst Kaliumbichromat und
Schwefelsäure mit gutem Erfolg ausführen. (Ueber die Details dieser
Versuche vergl. d. Ber. II, 433.
Das Aufblühen der Industrie der Phtalsäurefarbstoffe macht mehr
und mehr das Bedürfniss einer ebenso einfachen als wohlfeilen Be
reitungsmethode der Phtalsäure geltend. Die nach dieser Richtung
gewonnenen neueren Erfahrungen der Technik entziehen sich indess
zur Zeit noch der allgemeinen Kenntniss.
Die Untersuchungen Baeyer’s und seiner Mitarbeiter 4 ) haben
ergeben, dass die Phenole mit Phtalsäure und anderen mehrbasischen
Säuren, sowie auch mit Aldehyden, z. B. Bittermandelöl, sich unter
Wasseraustritt verbinden, wenn das Gemisch entweder für sich allein
oder unter Zusatz von Glycerin oder Schwefelsäure erhitzt wird.
Die Phtalsäure wirkt in zwei verschiedenen Verhältnissen auf Phe
nole ein, indem sich entweder 1 Mol. Phtalsäure mit 2 Mol. des
Phenols zu einem sogenannten Phtalein, oder mit 1 Mol. des Phenols
zu einem Oxyanthrachinon verbindet; und zwar entstehen bei niederer
Temperatur vorzugsweise Phtalei’ne, bei höherer Anthrachinone. Die
Bildung dieser Körper lässt sich durch folgende Gleichungen ver
anschaulichen :
i) P. und E. Depouilly, Bull. soc. eliim. IV, 10; Ann. Chem. Pharm.
CXXXVII, 373. 2 ) Lossen, Ann. Chem. Pharm. CXLIV, 71. s ) Vohl,
Dingl. pol. J. CLXXXVI, 338. 4 ) Baeyer, Ber. chem. Ges. IV, 457, 555,
658; Grimm, Ber. chem. Ges. VI, 506; Baeyer und Caro, ibid. VII,
968; Bischer, ibid. VII, 1211; Baeyer, ibid. VIII, 146; Baeyer und
» Caro, ibid. VIII, 152.