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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Gerbsäuren 1 ). 
Im Anschluss an die bisher betrachteten Aohlcharakterisirten orga 
nischen Säuren mag hier eine Gruppe organischer Körper von compli- 
cirter Zusammensetzung ihren Platz finden, die mit jenen zunächst nur 
den Namen gemein haben, deren Constitution noch nicht soweit auf 
geklärt ist, dass sie mit voller Sicherheit einem bestimmten Theil des 
Systems eingereiht werden können — nämlich die Gerbsäuren. 
Die merkwürdige im Pflanzenreich weit verbreitete Gruppe der 
sogenannten Gerbsäuren ist entsprechend ihrer hohen praktischen Be 
deutung vom Standpunkt der neueren wissenschaftlichen Forschung 
durch vielfache Untersuchungen, indess bei weitem nicht mit den Er 
folgen bearbeitet worden, die auf anderen Gebieten der organischen 
Chemie erzielt worden sind. Wenn es auch gelungen ist, nach ver 
schiedenen Richtungen einiges Licht in die verwickelten chemischen 
Beziehungen dieser merkwürdigen Körper zu werfen, so hat doch gerade 
hier die reine Wissenschaft der instinctiv vorauseilenden Empirie nur 
langsam folgen können. 
Nach dem jetzigen Stande der Kenntniss der Gerbsäuren unter 
liegt es keinem Zweifel, dass man mit diesem Namen eine Reihe von 
Körpern zusammenfasst, die nur durch gewisse charakteristische Eigen 
schaften zu einander in Beziehung, grossentheils aber in keinem näheren 
genetischen Zusammenhang stehen. Sie alle sind schwache Säuren, 
von zusammenziehendem Geschmack, geben mit Eisensalzen schwarz 
blaue oder grüne Verbindungen, fällen Leimlösungen und haben die 
Fähigkeit, thierische Haut zu gerben, in Leder zu verwandeln — Eigen 
schaften, auf denen ihre wichtigen Anwendungen in der Technik beruhen. 
Die Aufgabe, die chemische Natur, die Constitution der Gerbsäuren 
aufzuklären, ist bis auf die neueste Zeit das Ziel eingehender Unter 
suchungen gewesen und bezüglich der bekanntesten Gerbsäure, der 
Galläplelgerbsäure in der That auch zu einer befriedigenden Lösung 
geführt worden, während die Natur der übrigen weit weniger erforsch 
ten Gerbsäuren noch vollkommen dunkel ist. 
Eine ganze Reihe von Arbeiten über die Galläpfelgerbsäure ver 
folgte insbesondere den Zweck, die Beziehungen des Tannins zur Gallus 
säure, in die es mit Leichtigkeit übergeht, festzustellen. 
Entgegen den früheren Ansichten von Wetherill 3 ), der Tannin 
und Gallussäure für isomer hielt, und von Mulder ^), der eine Differenz 
‘) Von O. I). 2 ) Wetherill, Journ. de pharm. XIX, 107; J. pr. 
Chem. XLII, 247. s ) Mulder, Scheik. Onderzoekingen (1847), IV, 639; 
J. pr. Chem. XLVIII, 90.
	        
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