Organische Sauren.
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von 1 Mol. Wasser zwischen beiden annahm, war es bekanntlich
zuerst Strecker '), der die Ansicht vertrat, das Tannin sei ein soge
nanntes Glueosid von der Zusammensetzung C 27 H 22 0 17 , welches bei Ein
wirkung von verdünnten Säuren, Alkalien oder Fermenten sich in
Gallussäure und Zucker zerlege. Strecker’s Auffassung standen in-
dess die Versuche von W. Knop 2 ) entgegen, der bis auf 4 bis 6 p. C.
erlust, der in Ellagsäure und einem Kohlenhydrat bestand, alles Tan
nin in Gallussäure überführte. Zu ähnlichen Resultaten war auch
Stenhouse 3) schon früher gelangt. Rochleder’s *) Versuche führten
ihn zu dem Schluss, dass der Zucker, den das Tannin bei Einwirkung
von Säuren liefert, von einem Nebenbestandtheil herrühre.
Illasiwetz 5 ), dessen Arbeiten „über die Beziehungen der Gerb
säuren, Glucoside, Phlobaphene und Harze“ epochemachend für dieses
Gebiet sind, stellte die Vermuthung auf, dass das Tannin eine Digallus
säure sei und zur Gallussäure in derselben Beziehung stehe wie der
Diäthylenalkohol zum Glycol. Für alle Gerbsäuren wies Hlasiwetz
nach, dass sie allgemein wie die Glucoside bei Einwirkung von ver
dünnten Säuren oder Fermenten Zucker und ein anderes Spaltungs-
product liefern, er lässt indess die Frage noch unentschieden, ob sie
wahre Glucoside seien. Er giebt folgende Zusammenstellung derselben
resp. ihrer Zersetzungsproducte unter dem Einfluss von Fermenten und
beim Schmelzen mit Kali:
Spaltungsproducte. Producte der Oxydation
mit schmelzendem Kali.
Galläpfelgerbsäure Zucker und Gallussäure Pyrogallussäure
Granatgerbsäure „ „ Ellagsäure Gallussäure
Kaffeegerbsäure „ „ Kaffeesäure Protocatechusäure
und Essigsäure
Chinagerbsäure
Chinovagerbsäure
Filixgerbsäure
Ratanhiagerbsäure
Quercitrin
Rutin
Filixroth
Ratanhiaroth Protocatechusäure
und Phloroglucin
Den ersten experimentellen Beweis gegen die Auffassung des
lannins als Glueosid brachte J. Löwe 6 ) bei, dem es gelang, Gallus
säure durch Behandlung mit salpetersaurem Silber in Tannin überzu-
Strecker, Ann. Chem. Pharm. XC, 328. 2 ) Knop, Pharm. Centr.
1855, 658. 8 ) Stenhouse, Ann. Chem. Pharm. XLY, 12. 4 ) R 30 h-
leder, Chem. Centr. 1858, 579 und 583. 5 ) Hlasiwetz, Ann. Chem.
Pharm. CXLIII, 290; ibid. CXLII, 219. «) Löwe, J. pr. Chem. CII, 111.
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