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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
nicht aber die Pectinsäure, der Lösung vollständig entzogen wird, dann 
filtrirt und ebenfalls bestimmt; die Differenz beider Bestimmungen 
ergiebt den Gerbsäuregehalt. 
H. Fleck 1 ) gründete eine Methode der Gerbsäurebestimmung auf 
die ITatsache, dass Gerbsäure und Gallussäure durch essigsaures Kupfer 
oxyd gefällt werden; das gallussaure Kupfer löst sich in kohlensaurem 
Ammoniak, das gerbsaure nicht; den Kupferüberschuss bestimmt er maass 
analytisch durch Titriren mit Cyankalium. Sackur und Wolff 2 ) be 
stimmen das Kupfer im abfiltrirten Niederschlag gewichtsanalytisch 
als Kupferoxyd 3 ). 
Handtke’s 4 ) Methode besteht in dem vorsichtigen Zusetzen einer 
mit essigsaurem Natron und freier Essigsäure versetzten titrirten Lö 
sung von essigsaurem Eisenoxyd zu der verdünnten Gerbsäurelösung, 
bis die blauschwarze Flüssigkeit klar wird und der Niederschlag sich 
absetzt. 
Nach Hammer’s 5 ) empfehlenswerthem Vorschlag wird das Vo 
lumgewicht der Gerbstofflösung durch ein Aräometer oder Pykno 
meter bestimmt, sodann die Gerbsäure durch trocknes Hautpulver aus 
gefällt, wobei die Gallussäure in Lösung bleibt, und nach dem Filtriren 
wird dann nochmals das Volumgewicht bestimmt. Die Differenz beider 
Bestimmungen ergiebt nach einer von Hammer entworfenen Tabelle 
den Gehalt der Lösung an Gerbsäure. 
Auf demselben Princip beruht die kürzlich von Müntz undBams- 
pacher 6 ) angegebene Modification. 
Nach Gerland 7 ) wird die Gerbsäure durch eine mit Salmiak ver 
setzte titrirte Brechweinsteinlösung als gerbsaures Antimonoxyd gefällt; 
das Aufhören der Fällung bezeichnet das Ende der Beaetion. 
B. Wildenstein’s 8 ) colorimetrischeProbe besteht darin, dassmit 
citronensaurem Eisenoxyd imprägnirte Papierstreifen in die Gerbsäure 
lösung getaucht werden; der Grad der Schwärzung des Papiers bezeich 
net nach Maassgabe einer colorimetrischen Scala den Gerbsäuregehalt. 
Mittenz wey’s 9 ) Methode basirt auf der Eigenschaft der Gerb 
säure , in alkalischer Lösung ein bestimmtes Volum Sauerstoff aus der 
Luft zft absorbiren; bei Gegenwart erheblicher Mengen von Gallussäure, 
welche den Sauerstoff bedeutend rascher absorbirt als die Gerbsäure, 
!) Fleck, Wagn. Jahresber. 1860, 531. 2 ) Sackur und Wolff, 
Wagn. Jahresber. 1861, 624; vergl. Watts, Pharm. J. Trans. VIII, 515; 
X, 223. 3 ) Pavesi und Eotondi, Ber. ehern. Ges. 1874, 590; Gazz. 
chim. ital. 1874, 194. 4 ) Handtke, J. pr. Chem. LXXXII, 345. 5) Ham 
mer, J. pr. Chem. LXXXI, 159. 6 ) Müntz und Bamspacher, Conipt. 
rend. CXXIX, 380; Ber. chem. Ges. 1874, 1540. 7 ) Gerland, Chem. 
News VIII, 54; vergl. Koller, Zeitschr. f. anal. Chem. 1866, 235. 8 ) Wil 
denstein, Zeitschr. f. anal. Chem. 1863, 137; vergl. Vogel, Deutsche 
illustr. Gewerbeztg. 1865, Nr. 49. 9 ) Mittenzwey, J. pr. Chem. XCI, 81.
	        
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