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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser. 
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Bastfasern dicotyler Pflanzen. 
Flachs und Hanf. 
Obgleich nächst der Baumwolle die wichtigsten aller Pflanzen 
fasern, muss hier doch Umgang davon genommen werden, eine Be 
schreibung des Flachses und Hanfes und deren Aufbereitung zu geben, 
und dem Zweck dieses Aufsatzes entsprechend sind daher nur einige 
neuere Beobachtungen über den Flachsröstprocess anzuführen. 
Vor kaum 30 Jahren noch konnte man sagen, dass der Äuf- 
bereitungsprocess des Flachses und Hanfes bei allen Völkern, welche 
sich mit der Gewinnung desselben befassen, seit den ältesten Zeiten 
derselbe war und geblieben ist. Ueberall bediente man sich des 
Naturprocesses des Röstens oder Rottens, welcher nur insofern variirte, 
dass man 'theilweise die Thauröste, theilweis die Wasserröste oder 
beide zugleich in Anwendung brachte. So einach diese Behandlungs 
weise an und für sich erscheint, so ist dieselbe doch mit grossen 
Schwierigkeiten und Uebelständen behaftet, und man hat sich daher 
vielfach damit beschäftigt, dieses zeitraubende und im Ganzen unsichere 
Verfahren durch andere zu ersetzen oder dasselbe wenigstens zu ver 
bessern. Es hat sich im Laufe der Zeit herausgestellt, dass der ur 
alte und rohe Röstprocess der einzige principiell richtige ist und daher 
nur durch Verbesserungen in der Ausführung desselben das angestrebte 
Ziel zu erreichen war. 
Gleichgültig, welche Modification des Verfahrens angewendet wird, 
immer handelt es sich darum, eine chemische Zersetzung einzuleiten, 
durch welche die leichter zerstörbaren Bestandtheile des Bastgewebes, 
die theils als Zelleninhalt auftreten, theils als Intercellularsubstanz die 
Gewebeelemente verbinden, entfernt werden. Durch diesen Vorgang 
wird gleichzeitig bewirkt, dass der Zusammenhang zwischen dem Bast 
gewebe und dem inneren Holzkörper der Flachsstengel aufgehoben und 
deren Trennung erleichtert wird, während das Parenchym- und Cam- 
biumgewebe, zwischen welche das eigentliche Bastgewebe eingeschlos 
sen ist, aufgelöst oder so verändert werden, dass sie sich leicht ent 
fernen lassen. Als Endresultat wird die Flachs- oder Hanffaser, als 
Bastzellenbündel in reinem Zustand abgeschieden oder nach Umständen 
in deren Elemente weiter zerlegt, als isolirte, aus fast reiner Cellulose 
bestehende Bastzellen erhalten. 
Während in früherer Zeit die Flachsgewinnung nur in verhältniss- 
mässig kleinem Maassstab betrieben und das Rösten von den Landleuten 
seihst besorgt wurde r _hat diese Industrie nunmehr einen etwas anderen 
Charakter angenommen, indem die Aufbereitung des Flachsstrohs mehr 
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