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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

458

Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
heiten  des  Weines  durch  mikroskopische  pflanzliche  Organismen  hervorgerufen ­
  werden,  Parent 1 )  unter  Mitwirkung  von  Nodot  eine  eingehende ­
  Untersuchung  angestellt.  Er  gelangt  zu  dem  Kesultat,  dass
Tannin  die  Vermehrung  der  pflanzlichen  Organismen  hemmt.  Parent
erklärt  die  aus  der  Traube  gewonnene  Gerbsäure  für  die  geeignetste,
da  z.  B.  Gallusgerbsäure  dem  Wein  einen  unangenehmen  Beigeschmack
verleihe.  Die  Anwendung  von  Gerbsäure  macht,  wie  er  ferner  angiebt,
das  „Pasteurisiren“  (Erhitzen  des  Weines  auf  60°)  oder  Alkoholzusatz’
völlig  überflüssig.  Parent  erklärt,  mittelst  seiner  Methode  nicht  nur
den  Wein  ganz  klar  und  haltbar  und  zu  den  weitesten  Transporten ­
  fähig,  sondern  auch  kranken  Wein  wieder  brauchbar  machen
zu  können.
Zur  Bereitung  guter  Tinte  werden  fast  stets  angewandt  aleppische
und  chinesische  Galläpfel,  seltener  Knoppern,  Eichenholz,  Sumach,  Catechu,
  Tormentillwurzel,  Bahlah,  Dividivi,  Kinogummi.
Der  die  Tinte  bildende  schwarzblaue  Niederschlag  ist  gerbsaures
Eisenoxyduloxyd  und  kann  erzeugt  werden  einerseits  in  Eisenoxydlösungen, ­
  indem  ein  Theil  des  Oxyds  durch  die  Gerbsäure  zu  Oxydul
reducirt  wird;  am  besten  indess,  indem  ein  Gemisch  der  Gerbstofflösung
mit  der  Lösung  eines  Eisenoxydulsalzes,  welches  in  concentrirter  Lösung
für  sich  einen  weissen  Niederschlag  hervorbringt,  der  oxydirenden  Wirkung ­
  der  Luft  ausgesetzt  wird;  allmälig  setzt  sich  das  schwarzblaue
gerbsaure  Eisenoxyduloxyd  ab.  Gallussäure,  der  gewöhnliche  Begleiter ­
  der  Gerbsäure  in  den  Galläpfeln,  verhält  sich  gegen  Eisensalze  in
ganz  derselben  Weise.  Zum  Verdunkeln  der  Farbe  der  Tinte  wird
vielfach  noch  der  Zusatz  eines  anderen  Farbstoffes,  eines  Blauholzauszuges ­
  (Blauholz-Galläpfeltinte)  oder  einer  Indigolösung  (Alizarin-Tinte)
  gemacht.  Der  Zusatz  von  arabischem  oder  Senegalgummi  oder
Dextrinsyrup  bezweckt  die  Suspendirung  des  Eisenniederschlages.
0.  H.  Viedt 2 )  hat  in  einer  ausführlichen  Arbeit  über  die  Herstellung ­
  von  Tinten  auch  die  geeignetsten  Verhältnisse  zur  Bereitung ­
  guter  Gerbsäuretinten  gegeben  (vergl.  den  Artikel  dieses  Werks
„Tinten“).
In  der  Färberei  finden  die  Gerbsäuren  und  vor  Allem  das  Tannin
vielfache  Verwendung  auf  Grund  ihrer  Eigenschaft,  sowohl  mit  der
pflanzlichen  und  thierischen  Faser,  als  auch  mit  Farbstoffen  beständige ­
  mechanische  Verbindungen  einzugehen.  Die  meisten  pflanzlichen
Pigmente  sind  nur  vermittelst  Beizen  zum  Färben  verwendbar.  Die
zu  färbenden  Zeuge  werden  zuerst  mit  der  Beize  versehen  und  erst
nach  Befestigung  derselben  in  die  Farbstofflösung  gebracht.  Die

Parent,  Ding],  pol.  J.  CCI,  376.  2 )  Viedt,  Dingl.  pol.  J.  CCXVI
453  ff.
            
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