MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Alkaloide. 
467 
angeritzt worden sind, so wird der austretende Milchsaft abgewaschen 
und geht verloren ebenso meist nach Regen, weil in diesem Falle der 
Saft zu wässerig oder verdünnt ist und leicht von der Mohnkapsel abtropft. 
' “ ker Wind und starker Thau beeinträchtigen gleichfalls die Opium 
ernte. Heisse trockne Erntezeit ergiebt wenigOpium, welches dann im 
Allgemeinen reichhaltiger an Morphin ist. 
Ebenso muss die Opiumgewinnung zur rechten Zeit vorgenommen 
werden, nicht zu früh, da sonst die Kapseln leicht durchgeschnitten würden 
noch zu spat, da, wie Verfasser i) gefunden hat, das Morphin mit zu 
nehmender Reife der Mohnpflanze abnimmt, und schliesslich ganz ver 
schwindet. Aus diesem Grunde erhielt offenbar Aubergier 2 ) 1844 von 
weissem Mohn als erste Ernte ein Opium mit 8‘57 p.C. Morphin, als 
zweite Ernte dagegen, welche 8 Tage später vorgenommen wurde, ein 
Opium mit nur D52 p.C. Morphin. 
Obgleich die Opiumcultur in Deutschland und in Nordamerika sich in 
< en ersten Stadien ihrer Entwickelung befindet, so ist dieselbe auch schon 
aul Abwege gerathen, indem man nämlich in Nordamerika sowohl wie in 
urttemberg das mühsame Einsammeln des Opiums dadurch abzukürzen 
suchte, dass man unmittelbar die ganze Mohnpflanze oder Theile der 
selben auspresste und den gewonnenen Saft eintrocknete. In solchem 
räparat ist der Morphingehalt äusserst gering und nicht zu verwerthen. 
. Wenngleich in Deutschland bis jetzt schon hübsche Quantitäten von 
Opium gewonnen worden sind, so sind dieselben doch zu gering gewesen, 
um irgend welchen Einfluss auf den Markt auszuüben, noch das türkische 
Opium zur Morphindarstellung entbehrlich zu machen. 
Wie bedeutend die Opiumcultur in Kleinasien ist, ergiebt sich aus 
coin Bericht von J. M. Stöckel 3 ). Dort betrug die Opiumernte im 
Jahre 1871 etwa 7000 Couffen, 1872 etwa 4000 bis 5000 Couffeii 
(1 Couffe = circa 60 Kg, H/, Couffe = 1 Kiste). 
Es wurden von Smyrna in den Monaten Januar bis Juni ausgeführt: 
■ . nach dem Contineut Singapur 
m daUre England Nordamerika mit Holland und China 
408 592 100 Kisten Opium. 
1872 1102 480 704 466 
Von diesem Opium wird das Tschikinte, d. i. die der Roba Commune 4 ) 
entnommene Ausschusswaare, gewöhnlich in Deutschland und in Frank 
reich zur Blorjjhingewinnung verwendet. 
J ) Hesse, Ann. Chem. Pharm. Suppl. VIII, 332. 2 ) Aubergier 
Gmelin, Chemie VII, 8. 1326. ») S t ö c k e 1, Handelsbeilage zur Allgemeinen 
Leitung vom 10. Aug. 1872. 4 ) Die Roba Commune wird in der Gegend von 
Ahoiin Caraissar, Taunkauli und Uschak gesammelt und ist ein grossbrodiges 
pium von 7'5 bis 9 p. C. Morphin. Mit „Yerli“ wird ein mittleres Opium 
bezeichnet, das in der Gegend von Kirkagatsch, Kiutahia und Akhissar ge 
wonnen wird, endlich das beste Opium, „Bojaditsoh“ genannt,weil es vorzugs 
weise in dem gleichnamigen Orte erzeugt wird. 
30*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.