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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Alkaloide. 
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bezeichnete Formel des Apomorphins vervierfacht, die des Morphins 
verdoppelt werden. Bei dem Erhitzen von salzsaurem Morphin mit 
Chlorzink resp. mit concentrirter Salzsäure soll das Alkaloid polymeri- 
sirt werden, wobei eine Reihe durchgehends amorpher, leicht veränder 
licher Basen entsteht, worunter auch das Apomorphin. Ingleichen erzeuge 
Schwefelsäure mit Morphin nacheinander Trimorphin, C 10 2 H 114 N s 0 48 , 
und Tetramorphin, C 136 H 152 N 8 0 24 . 
In ähnlicher Weise wirke auch Phosphorsäure, während andererseits 
bei Einwirkung von Gemischen, z. B. von Phosphor und Jodwasserstoff- 
säure, noch complieirtere Reactionen eintreten. 
Pseudomorphin, C 17 H 49 N0 4 , vom Verfasser x ) wieder im Opium 
aufgefunden, nachdem die Existenz dieses Alkaloides von mehreren 
Seiten bezweifelt wurde, bildet aus Alkohol krystallisirt ein mikro- 
krystallinisches Pulver, aus seinen wässerigen Salzlösungen aber gefällt 
einen weissen, amorphen, dem Thonerdehydrat ähnelnden Niederschlag, 
der auf Glasplatten ausgestrichen spröde weisse Platten giebt, wiesie J obst 
ausstellte. Das Pseudomorphin bildet im Gegensatz zu dem Morphin 
mit Säuren fast durchgehends schwerlösliche Salze, z. B. das Chlorhydrat, > 
C 17 H 19 N0 4 , HCl + H 2 0, das sich in 70 Theilen kalten Wassers löst, 
das Sulfat, 2 C 17 H 19 N0 4 , II 2 S0 4 + 6IR0, welches sich in 422 Theilen 
kaltem Wasser auflöst und dessen Krystalle denen des Gypses sehr 
ähnlich sind, das Oxalat, 2 C 17 H I9 N0 4 , C 2 II 2 0 4 -f GH 2 0, welches zu 
seiner Lösung das 1940 fache kalten Wassers braucht. Verfasser glaubt, 
dass das von Schützenberger 2 ) durch Einwirkung von salpetrig 
saurem Silber auf Morphinchlorhydrat erhaltene Oxymorphin mit dem 
Pseudomorphin identisch ist. Auch das vor Kurzem von G. Nadler 0 ) 
aus dem Morphin mittelst Kupferoxydammoniak erhaltene neue Alkaloid 
hat grosse Aehnlichkeit mit dem Pseudomorphin und ist vielleicht mit 
ihm identisch, während die Substanzen, welche E. L. M a y e r 4 ) mittelst 
salpetriger Säure und aus diesen durch Kochen mit Wasser oder Alkohol 
erhielt, hiervon bestimmt verschieden sind. 
Codein, C 18 H 21 NO s + H 2 0, fand Jul. Jobst 6 ) im türkischen 
Opium zu 0'2 bis 0'3 p. C., im württembergischen Opium zu etwa 
o-l p.c. 
Es ist nach den Versuchen von Matthiessen, Burnside und 
Wright 0 ) alsein methylirtesMorphin,C 17 H ls (CH 3 )N0 3 , zu betrachten, 
welches durch Einwirkung von Salzsäure zunächst in Apocodei'n (Me- 
i) Hesse, Ann. Chem. Pharm. CXLI, 87 und Supplementb. VIII, 267. 
2 ) Schützenberger, Chem. Centralbl. 1865, 1088. 3 ) Nadler, Schweiz. 
Wocbenschr. f. Pharm. XI, 12. 4 ) Mayer, Ber. chem. Ges. IV, 122. 
5 ) Jobst, N. Repert. f. Pharm. XXI, 4. 6 ) Matthiessen, Burnside 
und Wright, Ann. Chem. Pharm. Suppl. VII, 177, 364 u. CLVIII, 131.
	        
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