47fi Gruppe III. Chemische Industrie.
Chinaalkaloid, jedoch kein Conchinin ist. Man kann sich leicht über
das Wesen des „Chinidins“ ein sicheres Urtheil verschaffen '), wenn
man das fragliche Sulfat mit reinem Chloroform in dem Verhältnisse
von 1 (Gramm) : 14 (Cubikcentim.) übergiesst. War reines Conckinin-
salz vorhanden, so wird eine klare Lösung erhalten, welche beim
Verdampfen des Chloroforms eine amorphe, glasige Masse als Rück
stand giebt. Da sich aber das Cinchoninsulfat ebenfalls leicht in Chloro
form (doch schwieriger als das Conchininsulfat) löst und ebenfalls
beim Verdampfen des Lösungsmittels als amorphe durchsichtige Masse
zurückbleibt, so muss noch eine weitere Prüfung des Rückstandes vor
genommen werden. Diese Prüfung ist in der Weise auszuführen, dass
man zunächst aus dem amorphen Rückstände mittelst Seignettesalz die
geringen Mengen von Chinin und Cinchonidin, welche etwa vorhan
den sind, niederschlägt, dann mit Jodkalium in dem Filtrat hiervon
das Conchinin als Jodhydrat fällt und letzteres mit etwas kaltem
Alkohol behandelt, um eventuell beigemischtes Cinchoninjodhydrat zu
beseitigen. Eine annähernde Trennung der letzten beiden Basen lässt
sich auch mit Aether erreichen, da sich in demselben Conchinin ziem
lich leicht, das Cinchonin aber äusserst schwer löst.
In der Regel wird man bei dieser Chloroformprobe bemerken, dass
sich nur Spuren von dem Sulfat lösen, welche beim Verdampfen des
Chloroforms auch nicht amorph, sondern krystallinisch Zurückbleiben.
Dann hat man es vermuthlich mit Cinchonidinsulfat, eventuell mit Chinin
sulfat zu thun, indem sich diese Sulfate bei gewöhnlicher Temperatur
erst in ungefähr dem 1000 fachen Gewichte Chloroform vollständig lösen.
Cinchonidin, C 2 oH 2 4N 2 0, wird als Nebenprodukt bei der Chinin
fabrikation gewonnen. Sein Sulfat enthält meist Chininsalz und giebt
dann die grüne Färbung mit Chlor und Ammoniak. Diese Färbung so
wohl als der Umstand, dass dieses Sulfat in seiner wässerigen Lösung auf
Zusatz von Schwefelsäure blau fluorescirt, ist wohl die Ursache, weshalb
das unreine Cinchonidinsulfat oder Chinidinsulfat des Handels für das
Sulfat des von Pasteur Chinidin genannten Alkaloids gehalten wird.
Das Cinchonidinsulfat lässt sich leicht daran erkennen, dass es beim
Uebergiessen mit reinem Chloroform gallertartig aufquillt und die
Lösung dann hartnäckig zurückhält. Wenn man z. B. 1 g des Salzes
mit 15 ebem Chloroform schüttelt, so ist es unmöglich, aus der Masse
10 ebem Flüssigkeit ohne mechanische Beihilfe abzufiltriren. Durch
dieses Verhalten unterscheidet sich das Cinchonidinsulfat sowohl von
dem Chininsulfat, aus welchem unter diesen Verhältnissen leicht lOcbcm
Lösung gewonnen werden können, als auch namentlich von dem
Conchinin- und Cinchoninsulfat, welche sich lösen. würden.
*) Besse, N. Jahrb. f. Pharm. XL, 131.