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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Alkaloide.

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Das  Chinoidin  hat  gegenwärtig  in  Folge  der  hohen  Chininpreise
mehr  Beachtung  gefunden  als  früher.  Besonders  ist  das  von  J.  Jobst 1 )
nach  einem  besonderen  Verfahren  dargestellte  Chinoidincitrat  sehr  in  Aufnahme ­
  gekommen,  was  anscheinend  darin  seinen  Grund  haben  mag,
dass  in  dieser  Form  nur  die  in  Aether  leicht  löslichen  Bestandtheile  des
Chinoidins  zur  Anwendung  gelangen.
Chi  na  min  nennt  Verfasser 2 )  ein  Alkaloid,  welches  sich  vorzugsweise
in  der  Rinde  von  Cinch.  succirubra  von  Darjeeling  und  Rungbee  3 )
vorfindet.  Es  ist  nach  der  Formel  C 20 H 26 N 2 O 2  zusammengesetzt,  enthält
also  2  At.  H  mehr  als  das  Conchinin,  giebt  jedoch  keine  grüne  Färbung  mit
Chlor  und  Ammoniak.  Es  krystallisirt  aus  Aether  in  langen  wasserfreien
Nadeln,  welche  sich  schwer  in  verdünntem  Alkohol  lösen,  reagirt  stark
basisch  und  giebt  mit  Säuren  meist  wohlcharakterisirte  Salze.  Hiervon
löst  sich  das  Platinsalz  äusserst  leicht  in  Wasser,  so  dass  das  Chinamin
nur  in  eoncentrirter  wässeriger  Salzlösung  mit  Platinchlorid  einen  Niederschlag ­
  giebt.  Goldchlorid  wird  zwar  von  dem  Chinaminchlorhydrat
gefällt,  allein  es  erfolgt  Reduction  der  Goldverbindung,  während  sich
die  Masse  purpurroth  färbt.  In  dem  letzteren  Verhalten  gleicht  es  dem
Paytin,  C 21 H 24 N 2 0,  das  sich  in  der  China  alba  von  Payta  (Peru)  vorfindet ­
 4 ).  Beide  Alkaloide  werden  von  Jodkalium  gefällt  und  gleichen
darin  dem  Conchinin.
Was  den  therapeutischen  Worth  der  wichtigeren  Chinaalkaloide,  des
Chinins,  Cinchonidins,  Cinchonins  und  Conchinins  betrifft,  so  behauptet
das  Chinin  unter  diesen  immer  noch  den  ersten  Platz.  Der  Umstand
aber,  dass  das  Conchinin  mit  Chinin  isomer  ist  und  die  gleiche  grüne
Färbung  mit  Chlor  und  Ammoniak  wie  jenes  giebt,  scheint  die  Idee  veranlasst ­
  zu  haben,  nach  welcher  das  Conchinin  ebenso  wirksam  sein
möchte  wie  das  Chinin.  Aus  dem  gleichen  Grunde  müsste  dem  Ohinicin
und  dom  Chinoidin  die  gleiche  Leistung  zugesprochen  werden  wie  dem
Chinin.
Wiederholt  ist  vom  Verfasser  hervorgehohen  worden,  dass  sich  das
Conchinin  bezüglich  der  meisten  chemischen  und  physikalischen  Eigenschaften ­
  an  das  Cinchonin  reiht.  Es  ist  wahrscheinlich,  dass  der
physiologische  Effect  und  therapeutische  Werth  dos  Conchinins  sich  zu
denen  des  Cinchonins  verhalten,  wie  diejenigen  des  Chinins  zu  denen
des  Cinchonidins.
Allerdings  berichtet  die  in  Madras  eingesetzte  Commission,  welche
die  verschiedenen  wichtigeren  Chinaalkaloide  auf  ihren  therapeutischen
!)  Jobst,  Ueber  das  Wesen  und  die  Anwendung  des  citrönensauren
Chinoidins.  Stuttgart  1869.  2 )  Hesse,  Ber.  chem.  Ges.  V,  265,  u.  Ann.
Chem.  Pharm.  GLXVI,  266.  3 )  In  der  fraglichen  Chinarinde  von  Rungbee
wurde  es  unlängst  von  de  Vrij  aufgefunden  (Hesse).  4 )  Hesse,  Ann.
Chem.  Pharm.  CLIV,  287  u.  CLXVI,  272.

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