Pflanzenfaser.
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das Spinnen derselben grosse Schwierigkeiten verursacht. Es scheint
demnach, dass heisses Wasser'oder Dampf allein nicht im Stande ist,
die Intercellnlarsubstanz in genügender Weise in lösliche Substanzen
überzuführen, denn es beschränkt sich in diesem Falle die Wirkung
auf die Lostrennung der Bastschicht von den übrigen Gewebeelementen.
In der Zwischenzeit ist nun das Schenck’sche Verfahren vielfach
verbessert worden und es hat dasselbe, wenn auch in etwas abgeänderter
Form, seine Stellung behauptet 1 ). Trotzdem ist aber dadurch die
alte Thauröste und Kaltwasserröste keineswegs so vollständig verdrängt
worden, als man erwartete, und es liegt der Grund einestheils in der
Schwierigkeit des Aufkaufs und Transports des Rohflachses, anderentheils
in dem Umstand, dass für gewisse feinere Zwecke die Kaltwasserröste
oder gemischte Höste in der Weise, wie sie in ausgedehntem Maassstab
und sehr rationell besonders in Belgien ausgeführt wird, ein besseres
Product liefert. Des besseren Resultats halber lässt man hier das
Flachsstroh bis zum folgenden Sommer liegen, weil durch die höhere und
gleichmässigere Temperatur der Verlauf des Processes wesentlich gefördert
wird. Schliesslich mag hier noch daran erinnert werden, dass in
mehreren Gegenden der noch grüne und frische Flachs sofort dem Röstprocess
unterworfen wird und es soll hierdurch, was leicht erklärlich,
nicht allein der Röstprocess viel schneller von Statten gehen, sondern
auch in Betreff der Qualität und Quantität der Faser ein besseres Resultat
erzielt werden. Abgesehen aber davon, dass dieses Verfahren
nicht überall ausführbar, leidet durch die sofortige Entfernung der
Samenkapseln von den Stengeln die Qualität des Samens 2 ).
Nach den von Dr. Hodges ausgeführten Bestimmungen liefern
lOOThle. irländische Flachsstengel 33 Thle. Samenkapseln und 67 Thle.
*) Die von Pownall eingeführte Verbesserung besteht darin, dass die
gerösteten Flachsstengel, nachdem sie aus den Röstbottichen genommen, sofort
durch kräftig wirkende Presswalzen geführt werden, wodurch der grösste
Theil der schleimigen Bestandtheile entfernt wird und dadurch nach dem
Trocknen die Abscheidung der Raser von den holzigen Theilen durch das
Brechen und Schwingen sehr erleichtert wird. 2 ) Es mag bei dieser Gelegenheit
erwähnt werden, dass, obgleich in Indien Leinsamen in sehr grosser
Menge producirt wird, die Flachsfaser so gut wie unbekannt ist. Man
hat mehrfach Versuche gemacht, die Flachscultur dort einzuführen, allein
es hat sich ergeben, dass das Klima im Allgemeinen der Entwickelung der
Bastfaser nicht günstig ist. Die Leinpflanze nimmt dort einen vielästigen
Charakter an, und während sie eine überaus reichliche Menge von besonders
ölreichem Samen liefert, erzeugt sie nur eine kleine Menge Faser,
welche so geringe Festigkeit besitzt, dass man sie nicht der Verwerthung
werth erachtet. Nur in den kälteren nördlichen Provinzen ist die Flachscultur
möglich. Ganz dasselbe gilt vom Hanf, welcher überall, aber nur der
Gewinnung des Haschischs, Bhangs oder Churrus wegen angebaut wird.
Nur in den Himalayagegenden wird derselbe auch zur Erzeugung der Faser
verwendet.