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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser.

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das  Spinnen  derselben  grosse  Schwierigkeiten  verursacht.  Es  scheint
demnach,  dass  heisses  Wasser'oder  Dampf  allein  nicht  im  Stande  ist,
die  Intercellnlarsubstanz  in  genügender  Weise  in  lösliche  Substanzen
überzuführen,  denn  es  beschränkt  sich  in  diesem  Falle  die  Wirkung
auf  die  Lostrennung  der  Bastschicht  von  den  übrigen  Gewebeelementen.
In  der  Zwischenzeit  ist  nun  das  Schenck’sche  Verfahren  vielfach
verbessert  worden  und  es  hat  dasselbe,  wenn  auch  in  etwas  abgeänderter ­
  Form,  seine  Stellung  behauptet 1 ).  Trotzdem  ist  aber  dadurch  die
alte  Thauröste  und  Kaltwasserröste  keineswegs  so  vollständig  verdrängt
worden,  als  man  erwartete,  und  es  liegt  der  Grund  einestheils  in  der
Schwierigkeit  des  Aufkaufs  und  Transports  des  Rohflachses,  anderentheils
  in  dem  Umstand,  dass  für  gewisse  feinere  Zwecke  die  Kaltwasserröste ­
  oder  gemischte  Höste  in  der  Weise,  wie  sie  in  ausgedehntem  Maassstab ­
  und  sehr  rationell  besonders  in  Belgien  ausgeführt  wird,  ein  besseres ­
  Product  liefert.  Des  besseren  Resultats  halber  lässt  man  hier  das
Flachsstroh  bis  zum  folgenden  Sommer  liegen,  weil  durch  die  höhere  und
gleichmässigere  Temperatur  der  Verlauf  des  Processes  wesentlich  gefördert ­
  wird.  Schliesslich  mag  hier  noch  daran  erinnert  werden,  dass  in
mehreren  Gegenden  der  noch  grüne  und  frische  Flachs  sofort  dem  Röstprocess
  unterworfen  wird  und  es  soll  hierdurch,  was  leicht  erklärlich,
nicht  allein  der  Röstprocess  viel  schneller  von  Statten  gehen,  sondern
auch  in  Betreff  der  Qualität  und  Quantität  der  Faser  ein  besseres  Resultat ­
  erzielt  werden.  Abgesehen  aber  davon,  dass  dieses  Verfahren
nicht  überall  ausführbar,  leidet  durch  die  sofortige  Entfernung  der
Samenkapseln  von  den  Stengeln  die  Qualität  des  Samens  2 ).
Nach  den  von  Dr.  Hodges  ausgeführten  Bestimmungen  liefern
lOOThle.  irländische  Flachsstengel  33  Thle.  Samenkapseln  und  67  Thle.

*)  Die  von  Pownall  eingeführte  Verbesserung  besteht  darin,  dass  die
gerösteten  Flachsstengel,  nachdem  sie  aus  den  Röstbottichen  genommen,  sofort ­
  durch  kräftig  wirkende  Presswalzen  geführt  werden,  wodurch  der  grösste
Theil  der  schleimigen  Bestandtheile  entfernt  wird  und  dadurch  nach  dem
Trocknen  die  Abscheidung  der  Raser  von  den  holzigen  Theilen  durch  das
Brechen  und  Schwingen  sehr  erleichtert  wird.  2 )  Es  mag  bei  dieser  Gelegenheit ­
  erwähnt  werden,  dass,  obgleich  in  Indien  Leinsamen  in  sehr  grosser ­
  Menge  producirt  wird,  die  Flachsfaser  so  gut  wie  unbekannt  ist.  Man
hat  mehrfach  Versuche  gemacht,  die  Flachscultur  dort  einzuführen,  allein
es  hat  sich  ergeben,  dass  das  Klima  im  Allgemeinen  der  Entwickelung  der
Bastfaser  nicht  günstig  ist.  Die  Leinpflanze  nimmt  dort  einen  vielästigen
Charakter  an,  und  während  sie  eine  überaus  reichliche  Menge  von  besonders ­
  ölreichem  Samen  liefert,  erzeugt  sie  nur  eine  kleine  Menge  Faser,
welche  so  geringe  Festigkeit  besitzt,  dass  man  sie  nicht  der  Verwerthung
werth  erachtet.  Nur  in  den  kälteren  nördlichen  Provinzen  ist  die  Flachscultur ­
  möglich.  Ganz  dasselbe  gilt  vom  Hanf,  welcher  überall,  aber  nur  der
Gewinnung  des  Haschischs,  Bhangs  oder  Churrus  wegen  angebaut  wird.
Nur  in  den  Himalayagegenden  wird  derselbe  auch  zur  Erzeugung  der  Faser
verwendet.
            
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