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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Werth untersuchen sollte, unterm 15. Juni 1868, dass das „Chinidinsulfat“ 
die gleiche antifebrile Kraft geäussert habe wie das gewöhnliche Chinin 
ssulfat. Obgleich diese Commission versichert, dass sie diese Sulfate nur 
in reiner Form angewendet habe, so bleibt es gleichwohl noch fraglich, 
ob diese Angabe für das Conchininsulfat auch zutrifft, weil man damals 
keine sichere Prüfung dieses Salzes kannte und weil das anscheinend 
beste englische „Chinidinsulfat“, wie Verfasser zu untersuchen Gelegen 
heit hatte, keineswegs reines Conchininsulfat war. Deshalb erlauben uns 
wohl diese Versuche in Indien, soweit sie sich auf die physiologische 
Wirkung des Conchinins beziehen, noch kein sicheres Urtheil. 
Nicht minder zweifelhaft scheinen dem Verfasser die Resultate zu 
sein, welche in Ostindien in den bezüglichen Versuchen mit Cinchonidin- 
und Cinchoninsulfat erhalten wurden. Denn wenn auch vom chemischen 
Standpunkte aus geschlossen werden muss, dass das Cinchonidin besser 
wirken wird, als das Cinchonin, so lassen doch die betreffenden Erfah 
rungen, welche man hier in Deutschland mit dem Cinchoninsulfat, über 
haupt mit dem Cinchonin gemacht hat, keineswegs ein günstiges Ur 
theil über letzteres zu. Deshalb würde wohl auch der therapeutische 
Werth des absolut reinen Cinchonidins erheblich niedriger zu veran 
schlagen sein, als ihn verschiedene ärztliche Prüfungscommissionen in 
Ostindien glauben ermittelt zu haben. 
Der Umstand, dass diese Commissionen den therapeutischen Werth 
der sonst für geringwerthig gehaltenen Chinaalkaloide ziemlich hoch 
gefunden haben wollen — giebt ja die obengenannte Commission an, 
dass während der Periode vom März 1867 bis April 1868 von 559 
Fieberkranken, die sie mit Cinchoninsulfat behandelte, 546 geheilt wur 
den und dass die in Ostindien producirten Chinarinden sich zur 
Darstellung eines reinen concurrenzfähigcn Chininsulfalts meist nicht 
eignen, ist die Veranlassung gewesen, weshalb man dort, und neuer 
dings auch an anderen Orten , von der Trennung der einzelnen Alka 
loide absieht und sich der Darstellung von Gemischen zuwendet, an 
geblich nur um die Kosten zu vermeiden, welche diese oft mühsame 
Trennung erheischt. 
Natürlich variirt die Zusammensetzung dieser Gemische; sie hängt 
nicht allein von der Qualität der Rinden ab, sondern auch von dem 
dabei befolgten Verfahren der Darstellung und der technischen Fällig 
keit derjenigen Personen, welche sich mit der Darstellung dieser Ge 
mische befassen. Es kam deshalb auch der Fall vor, dass solche ge 
mischten Alkaloide 10‘5 p. C. metallischen Kupfers enthielten. 
Wenn nun auch zugegeben werden mag, dass derartige Angriffe 
auf die Gesundheit und das Leben Anderer wie in dem eben bezeich- 
neten Falle jetzt nicht mehr Vorkommen, so kann doch nicht die That- 
sache in Abrede gestellt werden, dass die gemischten Alkaloide {mixed 
alcaloids), mögen sie nun in freiem Zustande oder in Form von kry-
	        
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