Alkaloide.
479
stallisii'tem Sulfat dargestellt werden, von dem wichtigsten und werthvollsten
Bestandtheile der Chinarinden, dem Chinin, gerade am wenigsten
enthalten. -—
Hinsichtlich der jährlichen Chininproduction liegen nur wenige
Angaben vor; aus den zu solchem Zweck verwendeten Quantitäten von
Chinarinden dürfte indessen geschlossen werden können, dass die Gesammtproduction
von Chininsulfat aller Fabriken per 1872 gegen
70 000 Kg betrug. —
Schroff fand, dass Gaben von 0'05 bis 0’2 g von salpetersaurem
Methylstrychnin bei Kaninchen und Hunden innerlich nicht giftig wirkten,
subcutan aber Erscheinungen hervorriefen, welche an Vergiftung mit
Curare erinnerten. Auch J o 1 y e t und An. C ah o u r s 4 ) bemerkten, dass
der Eintritt von Methyl oder Aethyl in das Strychnin dessen Wirkung
wesentlich veränderten, indem diese neuen Basen eine mehr der des
Curare ähnliche Wirkung verursachten, wobei jedoch Zuckungen
eintraten. Letztere finden aber nach Crum Brown und Fraser 2 ) bei
absolut reinem Material nicht statt.
R. Messel 3 ) liess auf Strychnin salzsaures Aethylenoxyd wirken
und erhielt Stryehninoxäthylchlorid, C 2 3lT 27 N 2 0 :; CI -f- H 2 0, aus welchem
er mittelst Silberoxyd resp. durch Zersetzung des Sulfates mit Baryt
das Strychninoxäthylhydrat darstellte. Diese einsäurige Base bildet
weisse, zu kleinen Büscheln vereinte Kfystalle. Bei Fröschen, denen die
wässerige Lösung des Chlorids injicirt wurde, trat während längerer Zeit
vollständige Lähmung der motorischen Nerven ein. Falls der Tod des
Thieres nicht eintrat, so wurde häufig nach dessen Erwachen eine oft
lange andauernde tetanische Steifheit bemerkt. Diese letztere Eigenschaft
kann, wie Messel hervorhebt, nicht wohl dadurch veranlasst sein,
dass dem Chlorid noch Spuren von Strychnin anhafteten, indem die
wässerige Lösung des Strychnins, welche in 700 000 Theilen 1 Theil
Alkaloid enthält, noch deutlich bitter schmeckt, während die stark verdünnte
Lösung des angewandten Strychninoxäthylchlorids einen süssen
Geschmack besitzt.
Wenn an das Strychnin die Glycolylgruppe angefügt wird, was nach
P. Römer 4 ) geschieht, wenn man 3 Thle. feingepulvertes Strychnin
und 1 Thl. Monochloressigsäure in offenen Röhren 4 bis 5 Stunden
lang auf 180° erhitzt, so wird eine Base erhalten, welche sich von dem
Brucin durch einen Mindergehalt von 2 At. H unterscheidet, aber noch
dieselbe Reaction mit chromsaurem Kalium und Schwefelsäure giebt wie
das Strychnin, auch subcutan Fröschen injicirt Tetanus verursacht.
C u r a r i u, das von R o n 1 i n und B o u s s i u g a u 11 zuerst 1 »emerkt
wurde, stellte Preyer 5 ) in reinem Zustande dar. Es krystallisirt in
*) Cahours, Compt. rend. LXVII, 904. 2 ) Fraser, Oompt. rend.
LXVII, 1266. 3 ) Messel, Ann. Chem. Pharm. CLVII, 7. 4 ) Römer,
Ber. chem. Ges. IV, 821. 5 ) Preyer, Ztschr. Chem. VIII, 381.