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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
vierseitigen Prismen, welche sich in allen Verhältnissen in Wasser und 
in Weingeist lösen, dagegen nur schwierig von Amylalkohol und Chloro 
form und gar nicht von wasserfreiem Aether, Schwefelkohlenstoff, Benzol 
und Terpentinöl aufgenommen werden. Durch concentrirte Schwefelsäure 
wird es schön blau, durch concentrirte Salpetersäure purpurroth gefärbt. 
Seine procentische Zusammensetzung entspricht der Formel Cj 0 H 15 N. 
Zu therapeutischen Zwecken eignet sich am besten das Sulfat, das 
sich weniger leicht zersetzt als die anderen von P r e y e r untersuchten 
Salze. 
Akazgin, das Alkaloid des Akazga oder Boundu, welches die Ein 
geborenen auf der westafrikanischen Küste zu Gottesurtheilen verwenden, 
wirkt nach Fraser 1 ), der es entdeckte, genau wie Strychnin. Fraser 
stellte das Alkaloid des Boundu nach der bekannten Methode von Stas 
dar, wobei er es als eine weisse amorphe Masse erhielt, deren alkoholische 
Lösung Krystalle ausschied. 
Physostigmin ist der giftige Bestandtheil der Calabarbohnen 
genannt worden, welche von den Eingeborenen von Old-Calabar (Afrika) 
ebenfalls zu Gottesurtheilen verwendet werden. Dieses Alkaloid wurde 
1864 von J. Jobst und dem Verfasser 2 ) entdeckt und später von Letzte 
rem 3 ) genauer untersucht. Inzwischen befasste sich auch A. V e e 4 ) 
mit der Darstellung dieses Alkaloids, versuchte diese Entdeckung in 
Abrede zu stellen, vermuthlich, um sie sich zuschreiben zu können, 
giebt an, es krystallisirt erhalten zu haben, und nennt es Eserin. 
Genau nach Vee’s Vorschrift arbeitend, war es jedoch Verfasser nicht 
im Stande, das Alkaloid in Krystallen darzustellen. Es bildete vielmehr 
einen farblosen Firniss, der zu einer spröden Masse austrocknet, ge 
schmacklos ist, stark alkalisch reagirt, sich etwas schwierig in Wasser 
löst, aber leicht in Weingeist, Aether, Chloroform, Benzol und Schwe 
felkohlenstoff. Seine Formel ist C 15 H 21 N 3 () 2 . 
Das Phy sostigmin findet hauptsächlich in der Augenheilkunde seine 
Anwendung. Da indess das unmittelbar aus den Calabarbohnen erhaltene 
Extract haltbarer ist als das reine Alkaloid, so wird meist das erstere 
angewendet und deshalb für therapeutische Zweckein der Regel von der 
Darstellung des Alkaloids Abstand genommen. 
Muscar in, welches 1869 von 0. Schmiedeberg und R. Koppe s ) 
aus dem Fliegenschwamm, Agarkus muscarius (L.), abgeschieden wurde, 
dessen giftiger Bestandtheil es ist, hat bezüglich seiner toxischen Wirkung 
einige Aehnlichkeit mit dem Physostigmin, ist jedoch chemisch davon 
bestimmt verschieden. Nach Schmiedeberg und Koppe stellt das 
') Fraser, Husemann, Pflanzenstoffe 418. 2 ) Hesse, Ann. Chem. 
Pharm. CXXIX, 115. s ) Hesse, Ann. Chem. Pharm. CXLI, 82. 4 ) Be- 
cherch. cliim. et phys. sur la feve dir Calabar par A. Vöe. Paris 1865. 
6 ) Das Muscarin, das giftige Alkaloid des Fliegenschwammes etc., von 
O. Schmiedeberg und B. Koppe. Leipzig 1869.
	        
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