490
Gruppe III. Chemische Industrie.
der Rinden verwendet wird, G. Calisaya A und Ti. C. Hasscarliana und
C. Pdhudiana höchst werthvolle Medicinalrinden, selbst C. succirubra
und C. caloptera können noch zu demselben Zwecke dienen, während
C. Calisaya D und E, sowie C. officindlis zu grossen Hoffnungen für
die Fabrikation der Alkaloide berechtigen.
C. Calisaya E stammt von Bäumen, welche aus von Bolivia gekauften
Samen gezogen wurden, dieselbe zeigt den höchsten Chiningehalt,
welcher bislang in einer grösseren Parthie Chinarinde, sei sie
amerikanischen oder ostindischen Ursprungs, überhaupt constatirt wurde.
Aber damit nicht genug melden die neuesten Analysen von Java, welche
für das zweite Trimester 1873 soeben veröffentlicht wurden, für dieselbe
Varietät jetzt bis zu 9 p. C. Chiningehalt!
Nach den Holländern unternahmen die Engländer namentlich
durch Markham, welcher 1859 von der englischen Regierung nach
Südamerika gesandt wurde, die Anpflanzung der Cinchonen in Britisch
Indien, theils an den Abhängen des Himalayagebirges, theils auf der
Insel Ceylon. Dieselben konnten sich die positiven und negativen Erfahrungen
ihrer Vorgänger in vielen Fällen zu Nutzen machen und
haben diese mit einem heutigen Bestand von über 2i/ a Milk Pflanzen
quantitativ bereits überholt. Leider waren die englisch-ostindischen
Chinarinden in Wien in sehr untergeordneter Weise ausgestellt und
konnten deshalb die verdiente Beachtung nur in beschränkterem IVIaässe
finden.
Die ostindischen Chinaplantagen der Engländer enthalten hauptsächlich
Cinchona officinalis und Cinchona succirubra. Eine vor wenigen
Tagen in London verkaufte Parthie von 151 Colli englisch - ostindischer
Chinarinde zeigte zumeist schöne rissige Röhren von hübscher
Stärke, welche als Apothekerrinden gute Verwendung finden können.
Unter den einzelnen Arten sind zu erwähnen:
Cinchona succirubra mit 2’2 p. C. Chinin,
„ succirubra unter Moosbedeckung aufgewachsen mit 1'8 p. C.
Chinin,
» succirubra nach früherer Schälung erneute Rinde mit
2’4 p. C. Chinin,
„ officinalis mit 2'8 p. C. Chinin,
n „ unter Moosbedeckung gewachsen mit 3'4 p. C.
Chinin.
Schade, dass die C. succirubra mit fortschreitendem Wachsthum
an Chinin ab-, dagegen im Cinchonidingehalt zunimmt nnd dass, wie es
scheint, auch die Moosbedeckung sowie eine in den englischen Plantagen
versuchte stickstoffreiche Düngung die Productionskraft der
Pflanze nach ebenderselben Richtung steigern, während beide so interessanten
Manipulationen bei der C. officinalis den Chiningehalt entschieden
günstig beeinflusst haben.