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Die Industrie der Fettkörper und das’ Glycerin.
Die Farblosigkeit der erhaltenen Oelsäure und die grössere Ausbeute
an festen Fettsäuren sind Vorzüge, die Mege-Mouries seinem Ver
fahren nachrühmt. Aber selbst wenn diese Vorzüge anerkannt werden,
bleibt die Methode offenbar zu theuer, wie auch Laurent 1 ) und
Milly 2 ) bald darauf nachwiesen. Eben so wenig Aussicht auf Erfolg
dürfte das Verfahren von Fourtoul 3 ) haben, der das Ausschmelzen
des Talges durch Einleiten eines galvanischen Stromes befördern und
in gleicherweise unter Zusatz von Kalkstücken den Talg verseifen will.
Die Idee, die Scheidung der flüssigen Verseifungsproducte von den
festen durch Zumischen von geeigneten Verdünnungsmitteln zu erleich
tern und die Warmpresse dadurch entbehrlich zu machen, taucht von
Neuem auf. Chevreul und Gay-Lussac wollten Weingeist dazu an
wenden, Deiss 4 ) empfiehlt 1 / 5 Schwefelkohlenstoff, Evrard und Lake
unterwerfen die Rohfette zur Trennung des Festen vom Flüssigen einer
solchen Behandlung mit Petroleumäther oder Petroleum. Die vonHeeren
geäusserten, auf die Flüchtigkeit des Schwefelkohlenstoffs gestützten
Bedenken dürften auch für die übrigen Zusätze gelten, deren Anwen
dung jedenfalls besondere Apparate erfordern würde. — Auch der Ein
führung der Centrifuge zur Trennung der Stearinsäure von der vorher
stark abgekühlten Oelsäure, die Weiss & Co. 5 ) empfehlen, treten in
der Ausführung Schwierigkeiten entgegen.
Neue Apparate zum Ausschmelzen von Talg, neue Methoden, Fette
zu reinigen und theilweise verdorbene zum Genuss geeignet zu machen,
werden von Jahr zu Jahr in Vorschlag gebracht. Die Nothwendigkeit
während der Belagerung von Paris Ersatz für frische Fette zu schaffen,
und die schwunghaft betriebene Fabrikation von Kunstbutter 6 ) haben
diesen Bestrebungen während der letzten Jahre noch besondere Anre
gung gegeben. Stearinfabriken, die in der Lage sind, sich frischen Talg
zu verschaffen, verbinden die Fabrikation der Stearinsäure vortheilhaft
mit der von Kunstbutter, indem sie den Talg in einen stearinreichen,
zur Kerzenfabrikation besonders werthvollen Theil, und in einen leich
ter schmelzbaren scheiden, der als Oleomargarin das Rohproduet zur
Bntterfabrikation bildet. — Endlich dürfen wir diesen Theil unseres
Berichtes nicht schliessen, ohne auf die Methoden hinzuweisen, die be-
1 ) Laurent, Monit. scientif. 1864, 769. — 2 ) Milly, Bull. Soc. d’Encourag.
1864, 406; Wagn. Jahresber. 1864, 645. 8 ) Fourtoul, Patente v. 15. Mai
1872; Bull. Soc. chim. [2], XX, 237; Wagn. Jahresber. 1873, 871. 4 ) Deiss,
Patent vom 8. November 1872, Nro. 3323; Bull. Soc. chim. [2], XX, 432;
Wagn. Jahresber. 1873, 874. — Evrard, Patent vom 14. Mai 1872; Bull. Soc.
chim. [2] XX, 91. — W. B. Lake, Ber. ehern. Ges. 1873, 1318. Heeren,
Mittheil, des Hannov. Gewerbevereins 1874, 144; Wagn. Jahresber. 1874, 968.
5 ) Weiss & Co., Monit. scientif. 1870, 837; Wagn. Jahresber. 1870, 696.
6 ) S. die Vorschriften von Mege-Mourids, Monit. scientif. 1872, 740 und
Polyt. Notizbl. XXIX, 343; von F. Boudet, Monit. scientif. 1872, 741.