MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

501 
Die Industrie der Fettkörper und das’ Glycerin. 
Die Farblosigkeit der erhaltenen Oelsäure und die grössere Ausbeute 
an festen Fettsäuren sind Vorzüge, die Mege-Mouries seinem Ver 
fahren nachrühmt. Aber selbst wenn diese Vorzüge anerkannt werden, 
bleibt die Methode offenbar zu theuer, wie auch Laurent 1 ) und 
Milly 2 ) bald darauf nachwiesen. Eben so wenig Aussicht auf Erfolg 
dürfte das Verfahren von Fourtoul 3 ) haben, der das Ausschmelzen 
des Talges durch Einleiten eines galvanischen Stromes befördern und 
in gleicherweise unter Zusatz von Kalkstücken den Talg verseifen will. 
Die Idee, die Scheidung der flüssigen Verseifungsproducte von den 
festen durch Zumischen von geeigneten Verdünnungsmitteln zu erleich 
tern und die Warmpresse dadurch entbehrlich zu machen, taucht von 
Neuem auf. Chevreul und Gay-Lussac wollten Weingeist dazu an 
wenden, Deiss 4 ) empfiehlt 1 / 5 Schwefelkohlenstoff, Evrard und Lake 
unterwerfen die Rohfette zur Trennung des Festen vom Flüssigen einer 
solchen Behandlung mit Petroleumäther oder Petroleum. Die vonHeeren 
geäusserten, auf die Flüchtigkeit des Schwefelkohlenstoffs gestützten 
Bedenken dürften auch für die übrigen Zusätze gelten, deren Anwen 
dung jedenfalls besondere Apparate erfordern würde. — Auch der Ein 
führung der Centrifuge zur Trennung der Stearinsäure von der vorher 
stark abgekühlten Oelsäure, die Weiss & Co. 5 ) empfehlen, treten in 
der Ausführung Schwierigkeiten entgegen. 
Neue Apparate zum Ausschmelzen von Talg, neue Methoden, Fette 
zu reinigen und theilweise verdorbene zum Genuss geeignet zu machen, 
werden von Jahr zu Jahr in Vorschlag gebracht. Die Nothwendigkeit 
während der Belagerung von Paris Ersatz für frische Fette zu schaffen, 
und die schwunghaft betriebene Fabrikation von Kunstbutter 6 ) haben 
diesen Bestrebungen während der letzten Jahre noch besondere Anre 
gung gegeben. Stearinfabriken, die in der Lage sind, sich frischen Talg 
zu verschaffen, verbinden die Fabrikation der Stearinsäure vortheilhaft 
mit der von Kunstbutter, indem sie den Talg in einen stearinreichen, 
zur Kerzenfabrikation besonders werthvollen Theil, und in einen leich 
ter schmelzbaren scheiden, der als Oleomargarin das Rohproduet zur 
Bntterfabrikation bildet. — Endlich dürfen wir diesen Theil unseres 
Berichtes nicht schliessen, ohne auf die Methoden hinzuweisen, die be- 
1 ) Laurent, Monit. scientif. 1864, 769. — 2 ) Milly, Bull. Soc. d’Encourag. 
1864, 406; Wagn. Jahresber. 1864, 645. 8 ) Fourtoul, Patente v. 15. Mai 
1872; Bull. Soc. chim. [2], XX, 237; Wagn. Jahresber. 1873, 871. 4 ) Deiss, 
Patent vom 8. November 1872, Nro. 3323; Bull. Soc. chim. [2], XX, 432; 
Wagn. Jahresber. 1873, 874. — Evrard, Patent vom 14. Mai 1872; Bull. Soc. 
chim. [2] XX, 91. — W. B. Lake, Ber. ehern. Ges. 1873, 1318. Heeren, 
Mittheil, des Hannov. Gewerbevereins 1874, 144; Wagn. Jahresber. 1874, 968. 
5 ) Weiss & Co., Monit. scientif. 1870, 837; Wagn. Jahresber. 1870, 696. 
6 ) S. die Vorschriften von Mege-Mourids, Monit. scientif. 1872, 740 und 
Polyt. Notizbl. XXIX, 343; von F. Boudet, Monit. scientif. 1872, 741.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.