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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

I

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Gruppe  III.  Chemische  Industrie.

Säuren  nur  zum  Theil  sich  vorfinden,  da  n  stets  eine  durch  2  theilhare
Zahl  ausdrückt.  In  technischer  Beziehung,  insofern  Heintz’  Tabellen
über  den  Schmelzpunkt  von  gemengten  Säuren  dem  Stearinfabrikanten
über  Natur  und  Werth  seiner  Yerseifungsproducte  unvergleichlich  werthvolle ­
  Anhaltspunkte  liefern.
Inzwischen  war  auch  von  anderer  Seite  Licht  herbeigebracht  worden. ­
  Die  Verbindungsverhältnisse  des  Glycerins  erschienen  abnorm,
so  lange  man  nur  einatomige  Alkohole  kannte,  selbst  Pelouze’s 1 )  Synthese ­
  der  Glycerinphosphorsäure  und  Glycerinschwefelsäure  vermochte
sie  nicht  zu  enthüllen.  Der  Begriff  eines  mehratomigen  Alkohols
musste  erst  durch  eine  vollständigere  Untersuchung  der  Glyceride
geschaffen  werden;  erst  als  Berthelot  2),  die  Methoden  der  Aetherdarstellung
  in  geschickter  Weise  variirend,  die  Synthese  der  Glyceride
ausführte,  fiel  der  letzte  Lichtstrahl  auf  dieses  Gebiet.  Die  in  der
Natur  vorkommenden  Fette,  so  dürfen  wir  mit  Chevreul  sagen,  sind
den  Aetheru  vergleichbar,  doch  so,  dass  der  in  ihnen  enthaltene  Alkohol, ­
  das  Glycerin,  3  Atome  einbasischer  Säuren  zu  binden  vermag.  Sie
sind  sämmtlich  Triglyceride,  auch  enthält,  wenigstens  in  der  Regel,  das
Triglycerid  3  Atome  ein  und  derselben  Fettsäure.  Aber  indem  Tristearin, ­
  Tripalmitin  und  wenige  andere  sich  unter  einander  und  mit
Triolem  mischen,  entstehen  die  zahlreichen  Verschiedenheiten  der  Consistenz
  und  des  Schmelzpunktes,  welche  wir  an  den  Fetten  des  Handels ­
  wahrnehmen.
Die  technische  Zerlegung  der  Triglyceride  war  anfangs  auf  Isolirung
  nur  eines  der  beiden  Products  gerichtet,  ohne  dass  das  zweite
öpaltungsproduct,  das  Glycerin,  Beachtung  erfuhr.  Erst  seit  Mitte  der
fünfziger  Jahre  wurde  die  Gewinnung  des  Glycerins  durch  die  sich  stetig ­
  erweiternde  Anwendung  dieses  Körpers  vortheilhaft;  sie  ist  seitdem
regelmassig  mit  der  Stearinfabrikation  verbunden  geblieben.  Wenngleich ­
  jede  der  oben  erwähnten  Verseifungsmethoden  seine  Gewinnung
ermöglicht,  so  liefern  doch  die  Kalkverseifung  in  Autoklaven  und  die
Destillation  im  überhitzten  Wasserdampfe  die  grösste  Menge  und  das
reinste  Glycerin,  während  bei  der  Schwefelsäureverseifung,  je  nach  der
Geschicklichkeit,  mit  welcher  sie  geleitet  wird,  ein  kleinerer  oder  grösserer ­
  Theil  zerstört  wird.  Man  erhält  im  ersteren  Falle  6'5  bis  8  p.  0.
vom  angewandten  Fett  an  Glycerin  von  30°  B.,  im  letzteren  Falle  nur
gegen  4'5  bis  5  p.C.
,  •  , de “  Autoklaven  unt er  Zusatz  von  Kalk  zersetzte  Fett  liefert
eim  Abkuhlen  ein  kalkhaltiges  Glycerinwasser  von  5  bis  6°  B  welches
ausserdem  noch  Reste  von  Fetten  oder  Kalkseifen  gelöst  enthält.  Man
2;  M \ J -  P i el ' : ’ UZe ’  Com Pt-  rend.  XXI,  718;  Aun.  Chim.  Phys.  LXIII  21
)  M -  Berthelot,  Ann.  Chim.  Phvs  m  XLT  91«.  „  v  ,  T  ,  ,
18SS  ip  ■  m  •  •  y  L  J  21f> >  Bieb.  u.  Kopp’s  Jahresber.
3 ’  4j1 ’  auoh  Chinue  orgamque,  fondde  sur  la  syntkese,  Paris  1860.
            
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