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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
trägt. So bildet das raffinirte Glycerin, auch wenn es farblos und ge 
ruchlos ist, doch stets einen einigermaassen bedenklichen Handelsartikel. 
Stelzner hält es für medicinische Zwecke ungeeignet und erkennt es 
an seinem Verhalten beim Vermischen mit eoncentrirter Schwefelsäure, 
welche reines Glycerin unverändert lässt [Nitsche')], oder doch nur 
schwach bräunt, ohne Gasentwickelung zu bewirken, während sie mit raffi- 
nirtem Glycerin Kohlensäure und Kohlenoxyd entbindet. Augenscheinlich 
kann nur oxalsäurehaltiges Glycerin in dieser Weise erkannt werden 2 ). 
Die Destillation des Glycerins behufs seiner Reinigung, wie sie 
G.F.Wilson undG.Payne 3 ) am 8. Februar (4. August) 1855 patentirt 
wurde, bildet demnach in der That einen epochemachenden Fortschritt in 
der Glycerinfabrikation. Das gleichzeitig mit fetten Säuren überdestil- 
lirte Glycerin ist, so sagen die Patentträger, ebenso wie das nach an 
deren Methoden gewonnene, unrein; man muss das Glycerin, nachdem 
es ganz oder fast ganz von den Fettsäuren getrennt ist, für sich bei 
Luftabschluss mit überhitztem Wasserdampf destilliren, wobei der Dampf 
auch zum Austreiben der leichter flüchtigen Verunreinigungen dient. 
Hierzu leitet man durch Glycerin, welches bei möglichst niedriger Tem 
peratur auf 1*15 Vol.-Gew. eingedampft ist, mehrere Stunden einen 
Dampfstrom von 100 bis 110° mit Hilfe eines durchlöcherten Rohres, 
bis die übergehenden Producte auf hören, sauer zu reagiren. Man erhitzt 
dann unter fortdauerndem Einleiten von überhitztem Dampfe das Glycerin 
auf 170 bis 180° C., jedenfalls nicht über 200° C., wobei es mit dem 
Dampf übergeht. Es kann nöthigenfalls in gleicher Weise rectificirt werden. 
Das Patent lässt einen wichtigen Umstand unerwähnt, welcher der 
Destillation des Glycerins erst ihren vollen Werth verleiht, nämlich den, 
dass sich das Glycerin durch fractionirte Abkühlung der Dämpfe in 
einer für alle Handelszwecke genügenden Vollständigkeit vom gleich 
zeitig mit übergegangenen Wasser trennen lässt. In der That erhält 
man bei der Destillation mit überhitztem Dampf nicht eine wässerige 
Glycerinlösung, sondern indem man die Dämpfe in eine Reihe von Con- 
densatoren leitet, die mit schlechten Wärmeleitern umgeben sind, im 
ersteren Condensator wasserfreies Glycerin, in dem folgenden Wasser, 
welches etwa 3 p. C. Glycerin enthält, und endlich fast glycerinfreies, 
b Nit sehe, Chemiker von F. A. Sarg’s Sohn & Co. in Wien, lieber 
das Glycerin, Wien, 1873; Wagn. Jahresber. 1873, 443. 2 ) Durch die Be 
handlung mit Schwefelsäure wird auch etwa vorhandener Zucker erkannt. 
Palm, Zeitschr. analyt. Chem. 1862, 486. — Anleitungen zur Prüfung von 
Glycerin geben ferner: Hager, Zeitschr. analyt. Chem. VII, 267; Mason, 
Chemist and Druggist, April 1873; Wagn. Jahresber. 1873, 447, Champion 
und Pellet, Bull. Soc. chim. [2] XIX, 493; Wagn. Jahresber. 1873, 446. 
J. Williams, Ber. chem. Ges. 9, 281, Corresp., beobachtete, dass eine 
Mischung von Cyanwasserstoffsäure mit reinem Glycerin monatelang ungefärbt 
blieb, eine solche mit unreinem sich rasch gelb färbte. 3 ) Wilson u. Payne, 
Patentnummer 301.
	        
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