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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Sidafasern (Sida retusa sp.). 
Das ebenfalls in die Familie der Malvaceen gehörige zahlreiche 
Geschlecht der Sida liefert eine Menge von Bastfasern, welche in den 
tropischen Heimathländern Anwendung finden, und obgleich bis jetzt 
nur versuchsweise davon in Europa importirt wurde, steht zu erwar 
ten, dass dieselben ein wichtiger Handelsartikel werden. In China 
wird die Sida tiliaefolia ihrer Faser wegen cultivirt und letztere sogar 
dem Hanf vorgezogen. Im nördlichen Australien und besonders in 
Queensland wächst die Sida retusa in ungeheurer Masse wild. In In 
dienwerden Sida retusa und mehrere andere Species zur Fasergewinnung 
benutzt. Dieser Bast ist nur sehr wenig gefärbt, besitzt geringen 
Glanz und ist vielfach mit Bastmarkstrahlen durchsetzt, welche zum 
Tleil noch mit Markstrahlgewebe angefüllt sind. Die Faser giebt trotz 
ihrer grossen Festigkeit mit schwefelsaurem Anilin starke Verholzungs- 
reaction. 
Asclepiadeenfasern. 
Wie bereits erwähnt liefern die Samenhaare mehrerer Species 
des Geschlechts der Asclepiadeen die vegetabilische Seide, von grösserer 
Wichtigkeit versprechen aber die Bastfasern einiger Arten derselben 
zu werden, indem dieselben an Festigkeit alle anderen Pflanzenfasern 
übertreffen und es sollen dieselben nahe die doppelte Festigkeit der Hanf 
faser besitzen. Es verdienen hier besonders die Bastfaser der Galotro- 
pis gigantea B. Br. und die der Marsdenia tenacissima erwähnt zu 
werden. Beide Pflanzen sind perenpirend und finden sich häufig in 
den indischen Junglen wildwachsend. Die erstere liefert die „Yercum“-, 
„Ak- oder „Mudarfaser“, welche sich zu den feinsten Geweben verarbei 
ten lässt. Leider bietet die Zubereitung dieser Faser besondere Schwie 
rigkeiten, da dieselbe durch Handarbeit abgesondert werden muss und 
der scharf ätzende Saft der Pflanze heftige Entzündung der Haut ver 
ursacht. Die Erfahrung hat gelehrt, dass sich der in Indien so allge 
mein übliche Röstprocess auf diese Pflanze nicht anwenden lässt, da 
hierdurch die Faser sehr bedeutend leidet. Die Faser ist fast farblos 
und ziemlich glänzend; sie giebt keine Reaction mit schwefelsaurem 
Anilin. 
Die Marsdenia tenacissima liefert die „Jeteefaser“, welche in Indien 
ebenfalls durch Handarbeit abgeschieden wird. Bis jetzt haben weder 
die Yercum- noch die Jeteefaser trotz ihrer ausserordentlichen Festig 
keit, in welcher Beziehung sie alle bekannten Pflanzenfasern übertreffen, 
ausserhalb Indien Verwendung gefunden, und ist dieses wohl auch
	        
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