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Gruppe III. Chemische Industrie.
Sidafasern (Sida retusa sp.).
Das ebenfalls in die Familie der Malvaceen gehörige zahlreiche
Geschlecht der Sida liefert eine Menge von Bastfasern, welche in den
tropischen Heimathländern Anwendung finden, und obgleich bis jetzt
nur versuchsweise davon in Europa importirt wurde, steht zu erwar
ten, dass dieselben ein wichtiger Handelsartikel werden. In China
wird die Sida tiliaefolia ihrer Faser wegen cultivirt und letztere sogar
dem Hanf vorgezogen. Im nördlichen Australien und besonders in
Queensland wächst die Sida retusa in ungeheurer Masse wild. In In
dienwerden Sida retusa und mehrere andere Species zur Fasergewinnung
benutzt. Dieser Bast ist nur sehr wenig gefärbt, besitzt geringen
Glanz und ist vielfach mit Bastmarkstrahlen durchsetzt, welche zum
Tleil noch mit Markstrahlgewebe angefüllt sind. Die Faser giebt trotz
ihrer grossen Festigkeit mit schwefelsaurem Anilin starke Verholzungs-
reaction.
Asclepiadeenfasern.
Wie bereits erwähnt liefern die Samenhaare mehrerer Species
des Geschlechts der Asclepiadeen die vegetabilische Seide, von grösserer
Wichtigkeit versprechen aber die Bastfasern einiger Arten derselben
zu werden, indem dieselben an Festigkeit alle anderen Pflanzenfasern
übertreffen und es sollen dieselben nahe die doppelte Festigkeit der Hanf
faser besitzen. Es verdienen hier besonders die Bastfaser der Galotro-
pis gigantea B. Br. und die der Marsdenia tenacissima erwähnt zu
werden. Beide Pflanzen sind perenpirend und finden sich häufig in
den indischen Junglen wildwachsend. Die erstere liefert die „Yercum“-,
„Ak- oder „Mudarfaser“, welche sich zu den feinsten Geweben verarbei
ten lässt. Leider bietet die Zubereitung dieser Faser besondere Schwie
rigkeiten, da dieselbe durch Handarbeit abgesondert werden muss und
der scharf ätzende Saft der Pflanze heftige Entzündung der Haut ver
ursacht. Die Erfahrung hat gelehrt, dass sich der in Indien so allge
mein übliche Röstprocess auf diese Pflanze nicht anwenden lässt, da
hierdurch die Faser sehr bedeutend leidet. Die Faser ist fast farblos
und ziemlich glänzend; sie giebt keine Reaction mit schwefelsaurem
Anilin.
Die Marsdenia tenacissima liefert die „Jeteefaser“, welche in Indien
ebenfalls durch Handarbeit abgeschieden wird. Bis jetzt haben weder
die Yercum- noch die Jeteefaser trotz ihrer ausserordentlichen Festig
keit, in welcher Beziehung sie alle bekannten Pflanzenfasern übertreffen,
ausserhalb Indien Verwendung gefunden, und ist dieses wohl auch