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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
und krystallisiren beim Abkühlen wieder, so lange noch ein Rest davon 
vorhanden ist. Haben sie Wasser angezogen, so zerüiessen sie rasch 
auch bei niedrigeren Temperaturen. — Den Siedepunkt des Glycerins 
bestimmten Mendelejeff 1 ), später Oppenheim u. Salzmann zu 
290°, aber schon bei 100° und selbst bei darunter liegenden Tempera 
turen verdampft das Glycerin in sehr merkbarer Menge, wie Heintz 2 ), 
Berthelot und Andere beobachteten. Im wasserfreien Zustande, bei 
1'26 specif. Gew., fängt es bei 150° Feuer und brennt mit ruhiger blauer, 
nicht leuchtender Flamme, ohne Geruch und ohne Rückstand zu lassen; 
auch wasserhaltiges Glycerin kann mit Hilfe eines Dochtes verbrannt 
werden und verbreitet selbst beim Auslöschen keinen Geruch 3 ). 
Seit das Glycerin als dreiatomiger Alkohol erkannt ist, lässt sich 
eine fast unendlich grosse Zahl von Verbindungen als existenzfähig 
voraussehen, welche ihren Ausgangspunkt im Glycerin finden. Schon 
die Zahl der Glyceride 4 ) im engeren Sinne, der ätherartigen Verbin 
dungen des Glycerins mit 1, 2 oder 3 Atomen derselben oder verschie 
dener Säuren ergiebt sich bei Annahme von 1000 Säuren zu etwa 167 
Millionen. Hierzu kommen noch die durch Wasseraustritt erzeugten 
Glycidverbindungen 5 ), die Polyglycerine 6 ), die durch Uebergang des 
dreiatomigen Radicals 0 3 H 5 in das einatomige Allyl 7 ) entstehenden, und 
endlich alle die Verbindungen, welche durch weiteres Zerfalleü des Gly- 
eerinradicals erzeugt werden können. Sie alle würden sich aus dem 
überreichlich zur Verfügung stehenden Material darstellen lassen, wüsste 
die Technik irgend eine nutzbare Anwendung von ihnen zu machen. 
Aber abgesehen von Laboratoriumszwecken dient nur in einem einzigen 
Falle, bei Darstellung von Nitroglycerin, das Glycerin als Ausgangs 
punkt anderer chemischen Verbindungen. In einem zweiten Falle, bei 
Darstellung von Senföl aus Allylverbindungen 8 ), indirect aus Glycerin, 
ist man anscheinend nicht über das Versuchsstadium hinausgelangt. 
Alle die so überaus zahlreichen Anwendungen des Glycerins sind durch 
seine physikalischen oder, wenn man will, physiologischen Eigenschaften 
bedingt. 
7 ) Mendelejeff, Ann. Chem. Pharm. CXIV, 167. — A. Oppenheim u. 
M. Salzmann, Ber. ehern. Ges. VII, 1622. — Siehe über Eigenschaften des 
Glycerins auch A. Henninger, Bull. Soc. chim. [2] XXIII, 434; Th. Bolas, 
Chem. Soc. Journ. [2] IX, 84; Lieb. u. Kopp’s Jahresber. 1871, 398. 2 ) Heintz, 
Pogg. Ann. XCIII, 431; Lieb. u. Kopp’s Jahresber. 1854, 448. — Berthelot, 
Ann. Chim.Phys.[3] XLI, 224. — Pohl u. König, Untersuch, österr. Weine, 
Wien 1864, 85; Wagn. Jahresber. 1868, 343, suchten den Grad der Verdampf 
barkeit zu ermitteln, Wagner bemerkt dazu, dass diese Verhältnisse beim 
Trocknen von Weinextracten Beachtung erfordern. 3 ) B. Godeffroy, Ber. 
chem. Ges. VII, 1566. 4 ) Berthelot, Chim. organ. fondöe sur la Synthese, 
Paris 1860; auch Ann. Chim. Phys. [3] XLI, 271. B ) Beboul, Ann. Chim. 
Phys. [3] LX, 40. 6 ) Lourengo, das. [3] LXVII, 299. 7 ) Cahours u. Hofmann, 
Compt. rend. XLII, 217; Ann. Chem. Pharm. CII, 285. 8 ) Zinin, Ann. Chem. 
Pharm. XCV, 128, — Berthelot u. de Luca, Ann. Chim. Phys. [3] XLIV, 495.
	        
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