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Die Industrie der Fettkörper und das Glycerin.
leicht veränderlichen Riechstoffen und Farbstoffen (Malven, Veilchen) 1 ),
zur Darstellung von pharmaceutischen Extracten 2 ), von haltbarem Al
bumin 3 ) und Pepsin, zur Herstellung einer alkalischen Kupferoxyd-
lösung 4 ), welche vor der mit Hilfe von Weinsäure bereiteten Vorzüge
besitzt, sowie zum Auflösen von Anilinfarben und arabischem Gummi.
Anatomische Präparate lassen sich nach Koller und Jegel 5 ) in Gly
cerin, mit oder ohne Zusatz von Carbolsäure, unverändert aufbewahren.
Lässt man Leim mit Wasser aufquellen, vermischt mit dem gleichen
Gewicht Glycerin von 28° B. und erhitzt, so lange Wasser entweicht,
so wird eine zur Darstellung biegsamer Formen und zu Buchdrucker
walzen geeignete Masse erhalten 6 ). Endlich benutzt man wässeriges
Glycerin von 1'13 Vol.-Gew. zum Füllen von Gasuhren, um sowohl zu
rasches Verdunsten wie Gefrieren zu verhindern 7 ).
Wird es erforderlich sein, für die genannten und zahlreiche andere
minder wichtige Anwendungen des Glycerins nach neuen Quellen für
dasselbe zu suchen? Wir glauben kaum, denn die Massen Rohglycerin,
welche die Stearinfabrikation liefert, sind überaus gross, und trotz aller
Anwendungen, namentlich auch des ausgedehnten Verbrauches an Nitro
glycerin, zeigen die Preislisten eher ein Sinken als ein Steigen der
Preise. Der Gesammtverbrauch entzieht sich jeder Schätzung, erwähnt
mag jedoch werden, dass einzelne norddeutsche Fabriken ihre Jahres-
production auf 10 000, 15 000 und selbst auf 30 000 Ctr. angeben und
dass 1872 in Belgien 9000, in Holland 7200 Ctr. Glycerin von 25° B.
producirt, diese meistens nach Frankreich ausgeführt wurden. Steigt
der Verkaufswerth des Glycerins, so wird sich auch die Production natur-
gemäss dadurch vergrössern, dass ein immer grösserer Bruchtheil der
Fette, welche zur Seifenfabrikation dienen, seinen Weg durch die Auto
klaven der Stearinfabriken hindurchnimmt, um dort in Stearin, Glycerin
and Olei'n zerlegt zu werden. Dieses Verfahren erscheint rationeller als
die Benutzung der Neutralfette in der Seifenfabrikation und die Wieder
gewinnung von Glycerin aus den Unterlaugen, wie sie von Reyno lds 8 )
und Anderen vorgeschlagen ist. Noch weniger Airssicht dürfte vorhan-
D Burgemeister, a. a. O. — Stevenin, Arch. Pharm. [3] VII, 369.
2 ) Munroe Bond, Arch. Pharm. (3) V, 83. 8 ) Gros-Renaud, Dingl. pol. J.
CLIV, 314; Wagn. Jahresber. 1859, 608. 4 ) J. Löwe, Zeitschr. analyt. Chem.
IX, 20; X, 452. Schon A. Vogel, Schweigger’s Journ. für Chem. XIII, 167; Gme-
lin’s Handb. 4. Aufl. V, 177, kannte die Eigenschaft des Glycerins, die Pallung
des Kupferoxyds durch Alkalien zu verhindern. 6 ) Koller, Elsner’s
Mittheilungen 1871, XTX 6. — Jegel, Das. 1873, XXI, 7. 6 ) Lallement,
Dingl. pol. J. CXXXXIII, 380; Wagn. Jahresber. 1857, 423. 7 ) Nach Fabian,
a. a. O., gefriert Glycerin von 1’105 Vol.-Gew. bei — 17'5°, von 1'117 bei
■— 26°, von 1’27 bei — 32'5°. Ueber diesen Gegenstand berichtet auch
W. Reissig, Journ. für Gasbeleuchtung 1862, 14; Wagn. Jahresber. 1862, 711.
8 ) H. Reynolds, Patent vom 10. Juni 1858, No. 1322; Wagn. Jahresber. 1869,
607. — w. E. Newton, 1870, Patent No. 1783.