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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Die Industrie der Fettkörper und das Glycerin. 
Den Bemühungen des Herrn Dr. S. Hoogewerff in Rotterdam 
verdanke ich eingehende Nachrichten über die Stearinfabrikation Hol 
lands, gegeben von den Directoren der Fabriken in Gouda und Schiedam, 
den Herren van Iterson und Jacobson. Sie haben schon deshalb ein 
besonderes Interesse, weil Holland nur einen kleineren Theil des im 
Lande producirten Stearins selbst verbraucht, mit dem grösseren Theile 
dagegen der einheimischen Industrie der benachbarten Länder erfolg 
reich Concurrenz macht. Die drei holländischen Fabriken in Amster 
dam, Gouda und Schiedam verarbeiten im Jahre mehr als 20 Mill. Kg 
Palmöl und Talg. Sie haben schon seit Mitte der fünfziger Jahre die 
Kalkverseifung aufgegeben und zerlegen sämmtlich das Fett mit Hilfe 
von Schwefelsäure und durch darauffolgende Destillation. Schiedam, 
welches mit 260 Arbeitern 5 Mill. Kg Rohproduct, zu 50 bis 60 p. C. 
aus Palmöl, 40 bis 50 p. C. aus Talg bestehend, verarbeitet, erzielt 
eine Ausbeute von 64‘6 p. C. festen Fettsäuren, 28'1 Olein, 4'9 Rohgly 
cerin und 5 p. C. Nebenprodueten, die zur Gasbereitung nach England 
gehen. Gouda mit 474 internen, 50 externen Arbeitern verarbeitet 
7'3 Mill. Kg Rohproduct, 40 p. C. Talg, 60 Palmöl haltend. Hier wech 
selte die Ausbeute an Kerzenmaterial von 56'4 bis 61'1, die an Olein 
von 31 bis 36 - 9 p. C., Glycerin von 25° B. wurde zu 4'75 p. C. ge 
wonnen. Die Fabrik Gouda, in günstigster Lage den Bezugs- und Ab 
satzorten gegenüber, erzielt unter der ausgezeichneten Leitung des 
Herrn van Iterson hohe Erträge und liefert Producte von bewunde 
rungswürdiger Schönheit. 
In England zerlegt nur noch eine, nach englischen Verhältnissen 
eine kleine Stearinfabrik, die von J. C. und J. Field, das Fett mit Kalk. 
Die übrigen Fabriken verseifen mit Schwefelsäure und destilliren. Und 
zwar werden gegenwärtig nur noch 2 bis 3V2 P- 0. Schwefelsäure von 
66° B. angewandt; die Temperatur wird auf 150° gesteigert, nach eini 
gen Minuten Einwirkens wird durch kochendes Wasser zersetzt und 
endlich destillirt. Da ausser Palmöl auch Waschfctte, d. h. die aus 
Seife, welche zum Waschen von Wolle diente, wiedergewonnenen Fett 
säuren, ferner Abfälle von Baumwollsamenölraffinerien angewandt wer 
den, so geben diese Verhältnisse keinen Anhalt für die Menge Schwefel 
säure, die zur Zersetzung unveränderten Neutralfettes erforderlich sein 
würde. Das Hauptproduct der englischen Fabriken sind „composite 
candles“, das heisst Kerzen, deren Schmelzpunkt bei etwa 42 bis 45° 
liegt und die weit eher Talglichtern als den Stearinkerzen des Conti- 
nents ähneln. Eine solche Pennykerze, die mir aus England zuge 
schickt wurde, hielt mehr als 30 p. C. Oelsäure. Wenn nun die Ausbeute 
an Material für diese Kerzen selbst 60 p. C. (vergl. d. Ber. II, 498) be 
trägt , so beweist das offenbar nichts für Neubildung fester Fettsäuren 
durch die Fabrikationsmethode, es beweist noch nicht einmal, dass die 
vorhandenen festen Fettsäuren ohne Verlust gewonnen wurden. Indess 
Wienor Weitaus Stellung. III. I. 2. 33
	        
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