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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser.

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China  benutzt  wird.  In  China,  wo  die  Cultur  dieser  Pflanze  zur  Zeit
noch  weitaus  die  grösste  Bedeutung  hat,  wird  sie  hauptsälioh  in  den  dem
Yang  tse  Kiang  südlich  gelegenen  Provinzen  angebaut.  Ebenso  in  Japan, ­
  wo  die.  Faser  „Tsjo“  oder  „Istscho  Karao“  genannt  wird.  In  Indien ­
  ist  dieselbe  in  den  nördlichen  Provinzen  Bengalens,  in  Rungpore
und  Dinagepore,  als  „Kunkhura“  bekannt  und  wird  sie  hier  hauptsächlich ­
  zu  Fischernetzen  verwendet,  ferner  in  Assam,  wo  sie  „Rhea“  genannt ­
  wird,  und  erstreckt  sich  von  hieraus  das  Vorkommen  südlich
über  Birma  und  Siam  bis  nach  den  Sundainseln,  wo  die  Faser  die  Namen ­
  „Ramie“  und  „Caloi“  führt.
Neben  Böhmeria  nivea  wird  auch  B.  tenacissima  Gaud.  (B.  utilis
Bl.,  Urtica  tenacissima  Boxb.)  als  Rhea-  oder  Ramiefaser  liefernd  angeführt, ­
  doch  ist  diese  nach  Miguel  fl  nur  eine  Abart  der  vorhergehenden ­
  und  unterscheidet  sich  von  jener  dadurch,  dass  die  Unterseite
der  Blätter  nicht  wie  bei  B.  nivea  weiss  ist.  Nach  Junghuhn  soll
auch  B.  sanguinea  auf  Java  Ramie  liefern,  und  im  nördlichen  Indien
wird  in  den  Gebirgsthälern  von  Sikkim,  Nepal  etc.  aus  den  Stengeln
der  „Puha“  oder  „Puah“  B.  puya  oder  B.  fructescens,  welche  dort  in
grosser  Menge  wild  wächst,  eine  der  vorhergehenden  sehr  ähnliche
Faser  gewonnen.
Im  äusseren  Habitus  zeigen  die  Böhmeriaarten  grosse  Aehnlichkeit
mit  der  Brennnessel,  doch  fehlen  die  Brennborsten.  Sie  sind  perennirend
  und  im  wilden  Zustand  bäum-  oder  strauchartige  holzige  Gewächse ­
  von  ansehnlicher  Höhe.
In  China  verwendet  man  auf  den  Anbau  der  Böhmeria  ganz  besondere ­
  Sorgfalt,  da  hiervon  erfahrungsmässig  die  Güte  der  Faser  sehr
abhängig  ist.  Es  ist  von  Wichtigkeit,  dass  der  Boden  die  richtige
Beschaffenheit  hat,  entsprechend  gedüngt  und  durch  häufiges  Umhacken
in  lockerem  Zustand  erhalten  wird.  Hohe  Temperatur,  Feuchtigkeit
und  mässiger  Schatten  sind  der  Entwickelung  langer  faserreicher  Stengel ­
  besonders  günstig.
Obschon  die  Fortpflanzung  durch  Samen  keine  Schwierigkeit  bietet, ­
  so  zieht  man  doch  im  Allgemeinen  vor,  dieselbe  durch  Wurzelableger ­
  zu  erzielen,  da  dieser  Weg  schneller  zum  Ziel  führt.  In  den
ersten  Jahren  fördert  man  durch  geeignete  Behandlung  die  kräftige
Entwickelung  der  Wurzelstöcke,  aus  welchen  dann  im  zweiten  oder
dritten  Jahre  eine  Anzahl,  gewöhnlich  10  bis  12,  Schösslinge  hervortreiben, ­
  welche  in  wenigen  Monaten  eine  Höhe  von  2  bis  3  m  erreichen, ­
  und  sobald  sie  anfangen  unten  braun  zu  werden,  für  das  Einsammeln ­
  reif  sind.  Ein  weiterer  Nachwuchs  von  jungen  Stengeln  liefert
nach  kurzer  Zeit  eine  zweite  und  eine  dritte,  in  manchen  Gegenden
sogar  eine  vierte  und  fünfte  Ernte  im  selben  Jahre.  Solche  Pflanzungen

fl  Miquel,  Flora  van  Neederl.  Indie.
            
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