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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe  III.  Chemische  Industrie.
I
Das  seiner  ausserordentlichen  Feinheit  halber  berühmte  chinesische ­
  grass  cloth  wird  aus  den  ungesponnenen  durch  ein  Klebmittel
endweise  an  aneinander  gefügten  Bastfasern  gewoben;  also  ganz  in  derselben ­
  Weise  wie  ähnliche  auf  Manila  aus  der  Musa-  und  Ananasfaser
erzeugte  Gewebe.
Der  Umstand,  dass  die  Böhmeria,  welche  diese  mit  so  werthvollen
Eigenschaften  ausgestattete  Pflanzenfaser  liefert,  obgleich  eine  tropische
Pflanze,  auch  in  der  gemässigten  Zone  gedeiht,  ja  selbst  in  Mitteleuropa ­
  noch  fortkommt,  hat  zu  den  übertriebensten  Erwartungen  Veranlassung ­
  gegeben  und  man  hat  ernstlich  davon  gesprochen,  den  Anhau
derselben  allgemein  einzuführen.  Man  hat  denn  auch  allenthalben  Culturversuche
  angestellt,  aber  trotz  der  in  diesem  Betreff  vielfach  gemachten ­
  günstigen  Angaben  haben  genauere  Nachforschungen  ergeben,  dass
der  Anbau  der  Böhmeria  sich  nur  in  tropischen  und  subtropischen  Ländern ­
  mit  Erfolg  betreiben  lässt  und  dass  hier  bei  richtiger  Wahl  des
Bodens  und  unter  entsprechenden  klimatischen  Verhältnissen  der  Ertrag ­
  ein  äusserst  lohnender  ist.  Die  in  der  gemässigten  Zone  angestellten
  Versuche  haben  dagegen  nicht  immer  gleich  günstige  Resultate
geliefert  und  noch  viel  weniger  lässt  sich  in  den  nördlicher  gelegenen
Ländern  ein  praktischer  Erfolg  erwarten;  denn  während  in  den  tropischen ­
  Regionen  3  bis  5  Ernten  im  Jahre  erzielt  werden,  erreicht  in
den  nördlichen  kaum  eine  ihre  volle  Entwickelung.
Im  Laufe  der  letzten  Jahre  wurden  Culturversuche  mit  der  B.  nivea
in  Algier,  Südfrankreich,  Südrussland  (Wolgagegend)  und  mit  besonders ­
  günstigem  Erfolg  am  unteren  Mississippi  und  in  Californien  ausgeführt. ­
  Ausserdem  hat  schon  seit  einer  Reihe  von  Jahren  die  indische
Regierung  die  Einführung  und  Verbreitung  der  Böhmeriacultur  in  Indien ­
  mit  besonderm  Interesse  verfolgt  und  zu  diesem  Zwecke  Musterpflanzungen ­
  in  Assam  und  anderen  Gegenden  anlegen  lassen  ,  welche
dem  Beweis  geliefert  haben,  dass  dort  ohne  Schwierigkeit  enorme
Quantitäten  der  Faser  producirt  werden  können.  Trotz  dieser  günstigen ­
  Resultate  blieb  es  aber  bis  jetzt  bei  diesen  Versuchen  und  ist
die  Ausfuhr  von  Rheafasern  aus  Indien  zur  Zeit  noch  ohne  grosse  Bedeutung. ­
  Der  Grund  ist  lediglich  in  der  Schwierigkeit  der  Abscheidung ­
  der  Faser  von  den  Stengeln  zu  suchen;  denn  es  ist  leicht  verständlich, ­
  dass  so  lange  die  Erzeugung  dieser  Faser  auf  den  oben
erwähnten  mühsamen  Operationen  beruht,  eine  erhebliche  Steigerung
oder  Verbreitung  der  Production  nicht  erreicht  werden  kann.  Nur  in
wenigen  Ländern  lassen  sich  so  ausreichende  und  billige  Arbeitskräfte
wie  in  China  und  Java  zu  diesem  Zweck  in  Anwendung  bringen,  und
fehlt  es  auch  an  denselben  gerade  in  jenen  Gegenden  Indiens,  welche
der  Entwickelung  der  Pflanze  selbst  besonders  günstig  sind  und  wo
der  Menge  des  disponibeln  Landes  halber  die  Culturversuche  angestellt
wurden.
            
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