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Gruppe III. Chemische Industrie.
grosse Vorräthe von Chinagrass an den Importplätzen angehäuft, welche
einer anderweitigen Verwendung harren. Seihst hei den nunmehr
sehr ermässigten Preisen hat sich aber bis jetzt eine solche noch nicht
gefunden. Es ist dieses jedenfalls eine Thatsache, welche in Anbe
tracht der ausgedehnten Culturversuche, welche zur Zeit im Gange
sind, einige Beachtung verdient.
Bei der bis jetzt üblichen Vorbereitung des Böhmeriabastes zum
Verspinnen bringt es der Process mit sich, dass der Bast durch ganz
liehe Entfernung des intercellularen Bindemittels vollständig in seine
Zellenelemente zerlegt wird und so eine Faser resultirt, welche nach
Umständen auf Baumwollen-, Wollen- oder Flachsspinnmaschinen ver
sponnen werden kann, allein die aus solchen Gespinnsten angefertigten
Gewebe haben einen eigenthümlichen rauhen Charakter und haben da
her bis jetzt, mit Ausnahme der erwähnten Gattung, keinen rechten
Anklang gefunden.
Es werden gegenwärtig vielfach Versuche gemacht, den rohen
Bast in eine flachsähnliche Faser zu verwandeln, also in der Zer
faserung auf halbem Wege stehen zu bleiben und so zunächst ein Ma
terial zu erzielen, welches sich zur Erzeugung einer Art Leinwand
eignen würde.
An eine Verwendung der Böhmeriafaser in dieser Richtung kann
aber wohl kaum ernstlich gedacht werden, so lange der Preisunter
schied zu Gunsten des Flachses noch ein so erheblicher ist. Der Um
stand, dass bei der Zubereitung der Böhmeriafaser zum Spinnen gegen
25 p. C. verloren gehen, erhöht den Preis derselben sehr beträchtlich,
so dass sie unter den gegenwärtigen Verhältnissen theurer als gewöhn
licher Flachs und fast ebenso theuer als der feinste Courtrayflachs
zu stehen kommt.
Es dürfte hier am Orte sein daran zu erinnern , dass die isolirte
Faserzelle der Böhmeriafaser ungleich dicker x ), als die des Flachses oder
Hanfes ist und also wohl nie die Geschmeidigkeit und Weiche der letz
teren haben kann, ein Umstand, der sich auch schon an den bis jetzt
aus Chinagrass erzeugten Stoffen bemerklich gemacht hat und es wird
denselben allgemein der Vorwurf gemacht, dass sie in Folge dessen
allzuleicht faltig werden.
Durch Hrn. Dr. Forbes Watson, Director des indischen Mu
seums in London, wurde der Verfasser in den Stand gesetzt, einige Ver
suche mit den Stengeln der Böhtneria nivea anzustellen und mögen
hier die bei dieser Gelegenheit ausgeführten Bestimmungen des Gehal
tes an Bastfaser kurz erwähnt werden. Die untersuchten Stengel waren
i) S. Wiesner’s Tabelle S. 25; nach Forbes Watson (1. c.) soll da
gegen die Dicke der isolirten Böhmeriafaser geringer als die der Flachs- und
Hanffaser sein.