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Gruppe III. Chemische Industrie.
Jute.
Mit dem Namen „Jute“ (spr. Dschuut) bezeichnet man jetzt fast all
gemein die Bastfaser einiger indischen Corchorusarten, welche, der Fa
milie der Tiliaceen angehörend, sich wie die naheverwandte Linde durch
ihren Bastreichthum auszeichnen. Schon seit den ältesten Zeiten bil
det diese Faser neben der Baumwolle weitaus die wichtigste Textilfaser
in Indien und nimmt dort so ziemlich denselben Rang ein wie der
Flachs und Hanf in Europa.
Die Hauptmenge der im Handel vorkommenden Jute liefern
Corchorus olitorius und C. capsularis und obschon diese sowie andere
Corchorusarten (C. fuscus, C. fascicularis, C. trüocularis und G. dece-
mangulatus liefern ebenfalls Jute, sind aber von untergeordneter Be
deutung) über ganz Indien verbreitet sind und sich häufig wild
wachsend finden, so war bis vor Kurzem die Erzeugung der Jutefaser
fast allein auf Bengalen beschränkt. Von hier aus wurde nicht allem
der Export nach Europa und Amerika, sondern auch der Bedarf m
Bombay und dem übrigen Indien gedeckt. Als Gemüsepflanzen fanden
dagegen diese Corchorusarten von jeher eine viel verbreitetere Verwen
dung und es werden fast überall in Indien die Blätter und jungen
Schösslinge unter dem Namen „Nalita“ als Gemüse so benutzt. Ebenso
wird in Syrien und Aegypten C. olitorius schon seit den ältesten Zeiten
für den gleichen Zweck cultivirt und von den älteren Schriftstellern
als Olus judaicum oft erwähnt.
In China, wo diese Pflanze ebenfalls der Faser halber angebaut
wird, heisst dieselbe „Oi-ma“ und auf den Sundainseln „Rami tsjina“.
In neuerer Zeit hat man versuchsweise die Jute auch in Algier und
mit besonders gutem Erfolg am unteren Mississippi angebaut.
Der Name Jute kam erst gegen Ende des vorigen und Anfang
dieses Jahrhunderts in Gebrauch, ohne dass jedoch mit Sicherheit der
Ursprung desselben angegeben werden kann. In Bengalen, dem haupt
sächlichsten Productionslande, führt diese Faser noch heute fast allge
mein den vom Sanskrit „patte“ abgeleiteten Namen „Pät“; im östlichen
Bengalen wird auch häufig der Name „Koshta“ gebraucht. Ausserdem
führt derselbe in den verschiedenen Gegenden Indiens noch eine grosse
Anzahl anderer einheimischer Namen.
Dr. Forbes Royle sprach die Meinung aus, dass der Name Jute
von dem Bengaliwort „chat“ oder „chati“ (Segeltuch, Pacfttuch), Sanskrit
„chat“ (bedecken), herrührt. Neuerdings wurde von Hem Chunder-
Kerr 1 ) darauf aufmerksam gemacht, dass allem Anscheine nach der
l) Hem Chunder Kerr, Report on the Cultivation of, and Trade in,
Jute in Bengalen. London 1874.