MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

52 
Gruppe III. Chemische Industrie. 
Jute. 
Mit dem Namen „Jute“ (spr. Dschuut) bezeichnet man jetzt fast all 
gemein die Bastfaser einiger indischen Corchorusarten, welche, der Fa 
milie der Tiliaceen angehörend, sich wie die naheverwandte Linde durch 
ihren Bastreichthum auszeichnen. Schon seit den ältesten Zeiten bil 
det diese Faser neben der Baumwolle weitaus die wichtigste Textilfaser 
in Indien und nimmt dort so ziemlich denselben Rang ein wie der 
Flachs und Hanf in Europa. 
Die Hauptmenge der im Handel vorkommenden Jute liefern 
Corchorus olitorius und C. capsularis und obschon diese sowie andere 
Corchorusarten (C. fuscus, C. fascicularis, C. trüocularis und G. dece- 
mangulatus liefern ebenfalls Jute, sind aber von untergeordneter Be 
deutung) über ganz Indien verbreitet sind und sich häufig wild 
wachsend finden, so war bis vor Kurzem die Erzeugung der Jutefaser 
fast allein auf Bengalen beschränkt. Von hier aus wurde nicht allem 
der Export nach Europa und Amerika, sondern auch der Bedarf m 
Bombay und dem übrigen Indien gedeckt. Als Gemüsepflanzen fanden 
dagegen diese Corchorusarten von jeher eine viel verbreitetere Verwen 
dung und es werden fast überall in Indien die Blätter und jungen 
Schösslinge unter dem Namen „Nalita“ als Gemüse so benutzt. Ebenso 
wird in Syrien und Aegypten C. olitorius schon seit den ältesten Zeiten 
für den gleichen Zweck cultivirt und von den älteren Schriftstellern 
als Olus judaicum oft erwähnt. 
In China, wo diese Pflanze ebenfalls der Faser halber angebaut 
wird, heisst dieselbe „Oi-ma“ und auf den Sundainseln „Rami tsjina“. 
In neuerer Zeit hat man versuchsweise die Jute auch in Algier und 
mit besonders gutem Erfolg am unteren Mississippi angebaut. 
Der Name Jute kam erst gegen Ende des vorigen und Anfang 
dieses Jahrhunderts in Gebrauch, ohne dass jedoch mit Sicherheit der 
Ursprung desselben angegeben werden kann. In Bengalen, dem haupt 
sächlichsten Productionslande, führt diese Faser noch heute fast allge 
mein den vom Sanskrit „patte“ abgeleiteten Namen „Pät“; im östlichen 
Bengalen wird auch häufig der Name „Koshta“ gebraucht. Ausserdem 
führt derselbe in den verschiedenen Gegenden Indiens noch eine grosse 
Anzahl anderer einheimischer Namen. 
Dr. Forbes Royle sprach die Meinung aus, dass der Name Jute 
von dem Bengaliwort „chat“ oder „chati“ (Segeltuch, Pacfttuch), Sanskrit 
„chat“ (bedecken), herrührt. Neuerdings wurde von Hem Chunder- 
Kerr 1 ) darauf aufmerksam gemacht, dass allem Anscheine nach der 
l) Hem Chunder Kerr, Report on the Cultivation of, and Trade in, 
Jute in Bengalen. London 1874.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.