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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser.

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Die  Leichtigkeit  aber,  mit  welcher  sich  die  Jutefaser  abscheiden
lässt,  unterscheidet  dieselbe  vortheilhaft  von  allen  anderen  ähnlichen
Pflanzenfasern  und  zieht  man  dabei  in  Betracht,  dass  der  Ertrag  ein
fünfmal,  ja  nach  einigen  Angaben  sogar  zehnmal  so  grosser  als  der  von
Hanf  oder  Flachs  ist,  so  wird  leicht  erklärlich,  wie  so  enorme  Mengen
dieses  Materials  ohne  Schwierigkeiten  producirt  werden  können.
Die  hauptsächlichsten  Jutesorten  führen  folgende  indische  Handelsnamen: ­
  Uttariyä,  Beswäl,  Besi,  Beorä,  Ndrdinganji,  Bälcrälctdi,  Bhdtial,
  Karimganji,  Mirganji  und  Jangipuri.  Die  erstgenannten  sind  die
besseren  Sorten.
Die  Jute  wie  sie  im  Handel  vorkommt  hat  nicht  selten  eine  Länge
von  über  3  m,  doch  ist  die  gewöhnliche  Länge  circa  2  m  und  bildet
dieselbe  aus  seitlich  lose  zusammenhängenden  ziemlich  feinen  Fasern
zuammsengesetzte  Stränge.  Im  ganz  frischen  Zustand  zeigt  die  Jute
gewöhnlich  nur  geringe  Färbung  und  während  manche  Sorten  fast  farblos ­
  sind,  erscheinen  andere  von  gelblicher  Farbe;  alle  nehmen  aber  mit
der  Zeit  besonders  unter  dem  Einfluss  feuchter  Luft  sehr  bald  eine
dunkle  Färbung  an,  welche  sich  bis  zu  einem  tiefen  Braun  steigern ­
  kann.
Die  unteren  Theile  des  fertigen  Jutebastes  sind  gewöhnlich  weniger ­
  vollständig  zerfasert  und  lassen  noch  deutlich  die  ursprüngliche
Form  der  Bastrinde  erkennen.  Diese  Theile  sind  meistens  von  Anfang
an  schon  tief  braun  gefärbt  und  zwar  rührt  diese  Färbung  dann  nicht
allein  von  den  noch  anhaftenden  Besten  des  theilweise  zersetzten  Markstrahlengewebes ­
  her,  sondern  es  erstreckt  sich  dieselbe  auch  auf  die  Membran ­
  der  Bastzellen  selbst.  Diese  starkgefärbten  und  ungeschmeidigen
Theile  haben  gewöhnlich  eine  Länge  von  30  bis  40  cm;  sie  werden
abgehauen  und  liefern  in  neuerer  Zeit  als  sogenannte  „Jute  cuttings
oder  „Jute  butts“  einen  besonderen  Handelsartikel,  welcher  in  der  Papierfabrikation ­
  Verwendung  findet.
Die  Jutefaser  besitzt  einen  höheren  seidigen  Glanz  als  Flachs  oder
Hanf,  doch  steht  sie  diesem  in  Betreff  der  Festigkeit  sehr  beträchtlich
nach.  Dieses  letztere  mag  zum  Theil  auf  der  sehr  ungleichen  Verdickung ­
  der  Zellwandungen,  aber  wahrscheinlich  noch  mehr  auf  der
starken  Verholzung  derselben  beruhen.
Unter  allen  bekannteren  Bastfasern  giebt  die  Jutefaser  mit  schwefelsaurem ­
  Anilin  die  stärkste  dunkelgelbe  Färbung,  doch  kann  diese
Reaction  für  sich  allein  nicht  dazu  dienen,  die  Jutefaser  zu  bestimmen,
indem  noch  einige  andere  ähnliche  indische  Fasern  wie  die  von  Abelmoschus
  tetraphyllos  und  Urena  sinuata  die  gleiche  Reaction  zeigen  und
ausserdem  die  chemisch  gebleichte  Jute  diese  Färbung  nicht  mehr  zum
Vorschein  bringt.
Wie  schon  erwähnt  hat  die  Jute  grosse  Neigung  sich  an  der  Luft
und  besonders  im  feuchten  Zustand  allmälig  dunkler  zu  färben  und  es
            
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