MAK

Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

58 
Gruppe III. Chemische Industrie. 
geren Sorten von Seidestoffen tritt sie daher nicht selten als Verfäl- 
schungsmittel auf. Dieselben Eigenschaften machen die Jutefaser auch 
als Substitut für Haare zu Chignons besonders geeignet. Nicht unbe 
deutende Mengen von Jute werden als Kette in der Teppichfabrikation 
überhaupt und im gefärbten Zustand für sich allein besonders zu 
Treppenteppichen verarbeitet. 
Die Hauptverwendung bleibt aber immer noch die für Erzeugung 
gröberer Gewebe, welche zu Sackzeug und überhaupt als Verpackungs 
mittel gebraucht werden. 
Häufig lässt sich bei Jutegeweben und Garnen ein schwacher aber 
unangenehmer Geruch wahrnehmen, welcher irrthümlich der Jute selbst 
zugeschrieben wird. Derselbe rührt von dem beim Verspinnen zum 
Einfetten der Faser verwendeten Fischthran her und verliert sich all- 
mälig beim Gebrauch. 
Mit der zunehmenden Vervollkommnung der Jutegespinnste stei 
gerten sich die Anforderungen, diese Producte in einem möglichst voll 
kommen gebleichten Zustand zu erzeugen, allein die Versuche, welche 
man in dieser Richtung anstellte, blieben lange erfolglos und die Mei 
nung war daher ziemlich allgemein verbreitet, dass die Jutefaser sich 
überhaupt künstlich nicht bleichen lasse. 
Dass die Bleichung der Jute einige Schwierigkeit macht, kann 
nicht befremden, wenn man den stark verholzten Zustand und verän 
derlichen Charakter der Zellenmembran dieser Faser in Betracht zieht. 
Die Aufgabe des Bleichprocesses ist in diesem Falle, eine nicht unbe 
trächtliche Menge incrustirender Substanz aus der Zellenmembran zu 
entfernen, ohne die Cohäsion derselben zu beeinträchtigen. Bleibt die 
Entfernung derselben unvollsändig, so ist die erzielte Bleichung nur 
eine vorübergehende und schadet dann mehr als sie nützt, da durch die 
oberflächliche Einwirkung der angewandten Oxydationsmittel die Nei 
gung, sich zu färben, in den in der Membran zurückgehaltenen incrusti- 
renden Substanzen nur noch vermehrt wird. 
Da bei dem Bleichen der Jute für textile Zwecke die Erhaltung 
der Festigkeit der Faser vor Allem zu beachten ist, so können nur 
subtile Mittel angewendet werden und es dürfte sich daher für diesen 
Zweck der intermittirende Process (S. 20) ganz besonders eignen. 
Im Laufe der letzten zehn Jahre wurden in England gegen zwanzig 
Patente auf verschiedene Verfahren zum Bleichen der Jute genommen, 
allein dieselben enthalten weder im Princip noch im Wesen etwas we 
sentlich Neues; auch scheint man von denselben kaum eine Anwendung 
gemacht zu haben. 
Erst ganz in neuerer Zeit wurde durch eine Firma in Irland das 
Patent von W. Hodges (1873, Nro. 1672) aufgenommen; dieses soll 
seinem Zweck vollkommen entsprechen. Nach diesem Verfahren wer 
den die Jutegespinnste oder Gewebe nach einer vorausgehenden Be-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.