Pflanzenfaser. (J7
Faser der von den Maoris zubereiteten an Qualität so bedeutend nach-
steht.
Pie Maoiis bereiten die Faser, indem sie die an der Aussenseite
liegenden Gefässbündel von den sorgfältig ausgesuchten und vollkom
menen Blättern abziehen und mit einer Muschelschale schaben, um das
anhängende Parenchymgewebe und die Epidermis so gut als möglich zu
entfernen. Die von den einzelnen Blättern abgezogenen Fasern (nur etwa
10 bis 20) werden in einem Wasserbehälter mit Wasser übergossen, um
sie feucht zu erhalten, bis eine grössere Menge so vorbereitet ist. Diese
wird dann an den Fluss gebracht und sorgfältig gewaschen, indem mit
Anwendung der Muschelschale die letzten Beste der noch anhängenden
Unreinigkeiten entfernt werden. Um für besondere Zwecke eine wei
chere Faser zu gewinnen, verfahren die Eingeborenen auf noch sorg
fältigere Weise, indem sie dann die rohe Faser vier Tage lang in lau
fendes Wasser legen, dann mit Steinen oder Hämmern klopfen und wie
der in Wasser legen und diesen Process 4 bis 5 Wochen lang fortsetzen.
Die Maoris erhalten auf diese Weise nur etwa 1 / i der in den Blät
tern enthaltenen Faser und es war daher die Production derselben, so
lange sie nur von den Eingeborenen betrieben wurde, selbstverständlich
eine sehr unbedeutende. Die Nachfrage nach diesem werthvollen Artikel
veranlasste sehr bald die Colonisten, sich mit der Erzeugung desselben
zu befassen und es wurden in den letzten Jahren mehrere Arten von
Maschinen construirt und in Neuseeland eingeführt, um die Blätter
fabrikmässig zu verarbeiten.
Da die Phormiumpflanze in gewissen Gegenden in grosser Menge
wild wächst, .so fehlte es früher nicht an Bohmaterial, in neuerer Zeit
hat man angefangen dieselbe regelmässig zu cultiviren, jedoch bis jetzt
nur mit theilweisem Erfolg.
Die zur Aufbereitung der Phormiumblätter gebrauchten,Maschi
nen werden mit Wasser oder Dampf getrieben und wirken dieselben in
der Weise, dass die einzeln eingelegten Blätter, von Quetschwalzen
erfasst, zerdrückt werden und hierauf einem sich schnell bewegenden
Klopfwerk zugeführt unter Mitwirkung eines Wasserstrahls bearbeitet
werden. Durch diese Operation wird, das Blatt, in seine Gewebeelemente
zerlegt und das zerrissene schwammige Gewebe durch das Wasser hin-
weggeführt, während die Faserbündel Zurückbleiben. Die so vorberei
tete Faser wird dann durch Behandlung mit Wasser weiter gereinigt
und endlich an der Luft getrocknet.
Es gelingt auf diese Weise ohne Schwierigkeit, die Fasern abzu
scheiden und werden 10 bis 14 p. C. der frischen Blätter erhalten, wäh
rend die Blätter in Wirklichkeit 15 bis 20 p. C. enthalten, ein Besul-
tat, welches, abgesehen von der Schnelligkeit, mit welcher diese Ope
ration auch im Grossen ausgeführt werden kann, gegenüber den von
Jen Eingeborenen erzielten, ausserordentlich erscheinen musste.