Pflanzenfaser.
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welche mit concentrirter Salpetersäure eine intensive rothe Färbung
giebt, und bängt gewöhnlich der zubereiteten Faser noch genug von
derselben an, um diese Reaction zu zeigen.
Für die isolirten Bastzellen dieser Faser ist ferner charakteristisch
dass sie oft ein sehr grosses 1 / i bis 3 / 3 der Zellbreite betragendes Lu
men haben und dass sie bei Behandlung mit Kalilauge so stark auf
schwellen, dass dasselbe fast vollkommen verschwindet und dann nur
als eine dunkle Linie erscheint 3 ).
Die Phormiumfaser des Handels enthält nach A. H. Church 2 ):
Wasser 1L61
Gummi u. andere bei 150 in Wasser lösl. Subst. 2L99
Fett 1'08
Pectinkörper 1'69
Cellulose 63 - 00
Asche 0'63
100-00
Musafasern. Manilahanf.
Die auf den Philippinen einheimische und daselbst zum Zwecke
der Fasergewinnung cultivirte IKusa textilis liefert weitaus den grössten
Theil des besonders für die Schilfstaufabrikation so überaus werthvollen
Manilahanfs. (Yon den Eingeborenen Manila’s „Abaca“ genannt.) Es
findet sich diese Pflanze auch in Borneo und Java und wird sie hier
sowohl als in Indien uud anderen tropischen Ländern jetzt häufig
angepflanzt und die Faser daraus gewonnen. Ausserdem liefern auch
noch andere Musaarten (Bananen, Pisang) eine ganz ähnliche Faser
und werden M. sapientum, M. paradisiaca, M. Ensete, M. mindanen-
Sis und M. CavendisM in Indien, Neuguiana, auf den Antillen, Neu-
caledonien, Angola und in Neusüdwales zu diesem Zwecke verwendet.
Der Theil der Musapflanzen, welcher den Manilahanf liefert, ist
der aus den fest umeinandergerollten Blattscheiden gebildete gegen
20Fuss hohe Stamm 8 ). Diese Blattscheiden, welche oben in die Blatt
stiele übergehen, bestehen aus einer mit Luft angefüllten ausserordent
lich grosszelligen Parenchymmasse, deren Wandungen in der Längs
richtung des Stammes die Fibrovasalstränge eingelagert enthalten.
!) Wiesner, Bohstoffe des Pflanzenreichs 429. 2 ) Im oben ange
führten Berichte der neuseeländischen Commission über Phormiumfasern.
3 ) Der Stamm der Musapflanzen enthält keinen Holzkörper. Mit Eintritt
der Blüthe entwickelt sich im Innern des Scheinstammes von der Wurzel
aus der Blüthenkolben, dessen Stengel ebenfalls nur aus einem sehr saft
reichen Parenchymgewebe besteht, in welchem neben wenig Eibrovasal-
strängen besonders lange Spiralgefässe entwickelt sind.