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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Unmittelbar unter der der Aussenseite des Stammes zugewandten Seite 
der Blattscheiden liegen die Hauptmengen der Gefässbündel, welche 
hier am stärksten und am besten ausgebildet sind. In den übrigen 
Theilen sind die Fasern spärlicher vertreten und auch von geringerer 
Festigkeit. 
Auch bei dem Manilahanf hat man vielfach Versuche gemacht, 
das alte Verfahren, welches eine einfache Abscheidung der Faser mittelst 
Handarbeit ist, durch andere mehr ökonomische Methoden zu ersetzen, 
allein es scheint, dass auch in diesem Falle ein günstiges Resultat bis 
jetzt noch nicht erzielt worden ist. 
Die Zubereitung des Manilahanfes wird in folgender Weise aus 
geführt : Die Musa-textilis-Stämme werden am Ende des dritten Jahres 
noch vor der Blüthe abgehauen und die Blattscheiden sofort abgelöst. 
Diese werden dann in 8 bis 10 cm breite Streifen zertheilt und unter 
einem auf einem Holzblock befestigten sägeblattähnlichen Eisen durch 
gezogen, wodurch die die Faserbündel umgebende Parenchymzellen 
masse gleichsam abgekämmt und so entfernt wird. Die Faser wird 
so ohne Weiteres rein erhalten und nachdem sie an der Sonne getrock 
net ist sie für den Handel fertig. Ein ausgewachsener Stamm liefert 
1 bis l x / 2 Pfd. Faser und können zwei Arbeiter, indem sie sich in die 
Arbeit des Abhauens etc. und Auskämmens theilen, 28 Pfd. reine Faser 
pro Tag produciren x ). 
Nach anderen Angaben bleiben die entblätterten Stämme vor der 
Verarbeitung drei Tage noch stehen und werden, nachdem man sie ab 
gehauen; einer kurzen Wasserröste unterworfen, worauf die in Fäul- 
niss übergegangenen Stämme wie oben angegeben verarbeitet werden. 
Da die Stämme, so wie sie Früchte getragen, bis auf die Wurzel 
absterben, so werden zur Faserbereitung besonders solche ausgewählt, 
welche Blüthenkolben entwickeln. Nach dem Abhauen des Stammes 
wächst aus der Wurzel wieder ein neuer hervor und ist so die Lebens 
dauer einer Pflanze gewöhnlich 10 bis 12 Jahre. 
Es ist bemerkenswerth, dass die Manilahanffaser trotz ihrer ausser 
ordentlichen Festigkeit und Dauerhaftigkeit nicht aus reiner Cellulose 
besteht. Jodlösung bringt auf der Faser eine gelbe Färbung hervor, 
welche auf Zusatz von Schwefelsäure in Goldgelb bis Grünlich über 
geht. Kupferoxydammoniak bläut die Faser und bringt sie zur schwa 
chen Aufquellung. Schwefelsaures Anilin färbt sie blassgelb. 
J ) Bericht des englischen Consuls J. 8. Ricketts in Manila an die 
Regierung von Neuseeland.
	        
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