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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser. 71 
Eine Probe von Manilahanf bester Qualität ergab bei der Analyse: 
Asche 1’02 
Wasser 11‘85 
Wasserextract 0‘97 
Fett und Wachs 
Cellulose 64 - 72 
Incrustirende Substanz und pectoseartige Kör 
per aus dem Verluste bestimmt .... 21'83 
Aloefaser. 
Die Blätter der aus Afrika stammenden nun über die ganze tro 
pische Welt verbreiteten Aloearten liefern eine fast farblose und sehr 
geschmeidige spinnbare Faser, welche aber, obgleich sie in einigen 
Gegenden Indiens in ziemlicher Menge producirt wird, bis jetzt im 
europäischen Handel noch keine Bedeutung hat. 
Eine andere mit der Aloe nahe verwandte Pflanze, die Sanseviera 
ceylaniaa, welche in grosser Menge an den Küsten von Bengalen, Cey 
lon, Java und dem südlichen China wild wächst, liefert eine in Indien 
„Murva“ oder „Marove“, auch „Bowstringhemp“ genannte ausser 
ordentlich feste Faser, welche zwar bis jetzt nur in ihrer Heimath ver 
wendet, in Zukunft wohl in grösserer Menge erzeugt und ausgeführt 
werden wird. 
Agavenfaser. 
Mehrere Fasern dieser Gattung waren schon den alten Mexicanern 
unter dem Namen „Ixtli“ oder „Istle“ bekannt und für dieselben von 
grosser Wichtigkeit. 
Die Cultur der Agaven hat auch jetzt noch in Mexico und Central 
amerika sowie in Westindien grosse Bedeutung. Der vergohrene Saft 
der Pflanze liefert die „Pulque 1 * und aus den Blättern wird die jetzt 
gewöhnlich „Pite“ oder „Pita“ genannte Faser abgeschieden. Die aus 
Aloe sisaliana und einigen anderen Species dargestellte von Sisal in 
Centralamerika ausgeführte Faser ist im Handel als Sisalhanf oder 
„Grasshemp“ bekannt. 
Um die Faser abzuscheiden werden die Blätter der Agaven einer 
Wasserröste unterworfen und zwar nur so lange bis durch eintretende 
Zersetzung das Gewebe gehörig erweicht und das dünnwandige Paren 
chym zum grossen Theil zerstört ist, worauf die Faserbündel durch 
Auskämmen mit eisernen Kämmen oder durch Klopfen und Waschen 
sich leicht abscheiden lassen. 
Im äusseren Ansehen hat diese Faser Aehnlichkeit mit der Musa 
faser (Manilahanf), doch erreicht sie kaum die Länge von 1 m. Sie
	        
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