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MAK

Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

76

Gruppe  III.  Chemische  Industrie.

Materialien  für  die  Papier-Industrie.

Mit  dem  allmäligen  Verfall  des  römischen  Reichs  und  dem  damit
in  Zusammenhang  stehenden  Rückgang  der  Cultur  und  Civilisation
verminderte  sich  mehr  und  mehr  der  Bedarf  des  seit  den  ältesten  Zeiten ­
  fast  ausschliesslich  als  Schreibmaterial  benutzten  Papyrus  und  die
vormals  so  wichtige,  hauptsächlich  in  Alexandrien  betriebene  Fabrikation ­
  dieses  Artikels  verlor  endlich  alle  Bedeutung  1 ).

x )  Mit  dem  Aufhören  des  Gebrauchs  von  Papyrus  verschwand  auch  die
Pflanze  selbst  wieder  aus  j  enen  Gegenden,  nach  welchen  sie  muthmaasslich  im
Laufe  der  Zeit  eingeführt  und  wo  sie  mit  grosser  Sorgfalt  cultivirt  worden  war.
Die  echte  Papyrusstaude,  Papyrus  antiquorum  oder  Cyperus  papyrus  L.  ist
daher  eine  botanische  Seltenheit  geworden,  welche  sich  jetzt  nur  noch  am
oberen  Nil,  in  der  Euphrat-  und  Jordangegend  und  in  Sicilien  an  mehreren
Orten,  so  bei  Syracus  am  Fluss  Anape  (an  der  sogenannten  Quelle  der  Cyane)
findet.  Der  etwas  abweichende  Habitus  der  Papyruspflanze,  wie  sie  jetzt  in
Sicilien  (hier  Papero  genannt)  wächst  und  welcher  mit  dem  der  in  Syrien  vorkommenden ­
  übereinstimmt,  hat  zu  der  vielfach  ausgesprochenen  Meinung  Veranlassung ­
  gegeben,  dass  diese  eine  verschiedene  Pflanze  sei  und  überhaupt  im
Alterthum,  wenigstens  in  Aegypten  nicht  zur  Herstellung  des  Papyrus  verwendet ­
  worden  sei.  G.  Bauhini,  Pinax  Theatri  botanici.  Basileae  1671.
Pariatore  hat  neuerdings  noch  diese  Ansicht  in  einer  langen  Abhandlung
{Mein,  presente  par  divers  Savants  ä  Vacademie  des  Sc.  XII,  Vol.  Paris)
verfochten  und  diese  Abart,  welche  erst  im  X.  Jahrhundert  durch  die  Araber
aus  Syrien  nach  Sicilien  eingeführt  worden  sein  soll,  Cyperus  syriacus  genannt. ­
  Diese  Ansicht  scheint  jedoch  nicht  stichhaltig  zu  sein  und  sollen  auch
die  Verschiedenheiten,  welche  zwischen  dieser  und  der  altägyptischen  Papyruspflanze ­
  bestehen,  nur  scheinbare  sein,  welche  die  Aufstellung  einer  besonderen
Species  nicht  rechtfertigen.
Die  Substanz,  welche  das  Material  zur  Erzeugung  des  Papyrus  lieferte,
ist  das  weisse,  mit  Gefässbündeln  reichlich  durchsetzte  Mark  der  3  bis  5  cm
dicken,  abgerundet  dreiseitigen  2  bis  5  m  langen  Stengel.  Dieses  ausgeschälte ­
  Mark  wurde  im  frischen  und  noch  feuchten  Zustande  mit  besonderen
nadelartigen  Instrumenten  in  dünne  Schichten  oder  Häutchen  zertheilt,  diese
wurden  dann  auf  einer  ebenen  Unterlage  der  Breite  nach  dicht  neben  einander ­
  ausgebreitet  und  über  dieselben  eine  zweite  und  endlich  eine  dritte  Schicht
solcher  Häutchen  in  der  Weise  aufgelegt,  dass  sie  die  vorhergehende  Schicht
unter  einem  rechten  Winkel  kreuzten.  Durch  Pressen  wurden  nun  diese
Schichten  zu  einem  Blatte  vereinigt  und  das  feste  Zusammenhaften  derselben
entweder  durch  den  natürlichen  Saft  des  Markes  oder  durch  Ueberstreichen
mit  einem  besonderen  Klebmittel  bewerkstelligt.  Nach  dem  Trocknen  wurde
durch  Schlagen  mit  Hämmern  und  Reiben  mit  Elfenbein  die  Oberfläche  geglättet ­
  und  endlich  den  bestimmten  Grössen  nach  zugeschnitten.
            
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