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Full text : Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

Pflanzenfaser.

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Doch  schon  ehe  die  Papyrusbereitung  völlig  aufgehört  hatte,
machte  sich  bereits  im  Orient  und  besonders  bei  den  muhamedanischen
Völkerschaften  ein  Ersatzmittel  desselben  geltend,  welches  bestimmt
war,  eine  noch  viel  wichtigere  Holle  als  selbst  der  Papyrus  zu  übernehmen. ­
  Dieses  Ersatzmittel  war  das  Papier,  welches  einige  Jahrhundert ­
  vor  unserer  Zeitrechnung  in  China  erfunden  hier  schon  frühzeitig
eine  grosse  industrielle  Wichtigkeit  erlangt  hatte.
Von  China  aus  verbreitete  sich  die  Kunst  des  Papiermachens  allmälig
  in  die  angrenzenden  Länder  und  gelangte  sie  so  nach  der  heutigen ­
  Bucharei.  In  diesem  damals  blühenden  Culturstaate  fand  sie  besonders ­
  in  den  Städten  Samarkand  und  Bokhara  empfänglichen  Boden
und  fasste  hier  feste  Wurzel.  Später  als  die  Muhamedaner  in  diesen
Gegenden  siegreich  vordrangen,  wurde  diese  neue  Kunst  bald  nach
Persien  und  in  die  Khalifate  in  Kleinasien  eingeführt,  von  wo  sie  dann
als  ein  Hauptträger  arabischer  oder  maurischer  Civilisation  ihren  Weg
nach  dem  byzantinischen  Reiche,  Aegypten  und  dem  südlichen  Spanien
fand.  Aber  nicht  sowohl  von  Spanien  her  als  vielmehr  durch  die
Kreuzfahrer  wurde  die  Papierbereitung  endlich  im  übrigen  Europa  bekannt. ­

Die  chinesischen  historischen  Nachweise  über  die  Erfindung  des
Papiers  machen  es  mehr  als  wahrscheinlich,  dass  die  Bastrinde  des
Papiermaulbeerbaumes  (Broussonetia  papyriferd)  dasjenige  Material  war
aus  welchem  zuerst  Papier  in  China  dargestellt  wurde,  doch  ist  es  ebenso ­
  wahrscheinlich,  dass  man  bald  nachher  dort  auch  aus  anderen  ähnln ­

  Syracus  wird  noch  jetzt  Papyrus  als  Curiosität  in  kleinen  Mengen
dargestellt.

Chinesisches  Reispapier.
•#
Die  unter  dieser  irrthümlichen  Bezeichnung  bekannte  Substanz  ist  weder
ein  wirkliches  Papier,  noch  hat  ihre  Abstammung  irgend  etwas  mit  „Reis“
zu  thun.  Es  ist  dieselbe  in  Wirklichkeit  das  zu  dünnen  Blättern  geschnittene
Mark  —  also  seiner  Natur  nach  dem  Papyrus  ähnlich  —  der  Stengel  von
Aralia  papyrifera,  einer  dem  Epheu  verwandten  Pflanze,  welche  erst  in
neuerer  Zeit  durch  Sir  W.  J.  Hook  er  genauer  bestimmt  wurde.  Diese
Pflanze  findet  sich  bis  jetzt  nur  in  den  sumpfigen  Wäldern  von  Formosa  und
werden  die  Stengel  derselben  von  da  in  grossen  Quantitäten  nach  Chinchew
in  China  eingeführt,  wo  sie  dann  weiter  verarbeitet  werden.
Mit  grosser  Kunstfertigkeit  wird  mittelst  grosser  sehr  scharfer  Messer
das  Mark,  für  kleinere  Blätter  in  radialer  Richtung,  für  grössere  tangential
spiralförmig  in  papierdünne  Schichten  geschnitten,  welche  letztere  dann
durch  einfaches  Pressen  eine  ebene  Form  erhalten.
Dieses  Mark  besteht  aus  sehr  homogenem  Parenchymgewebe,  welches
grosse  Aehnlichkeit  mit  dem  Hollundermark  zeigt.  Die  eigenthümliche,  mattglänzende, ­
  poröse  Oberfläche  macht  dieses  „Reispapier“  für  die  in  China  so
beliebten  zarten  Apuarellmalereien  besonders  geschickt  und  findet  dasselbe
bei  uns  auch  als  Material  zur  Erzeugung  künstlicher  Blumen  Anwendung.
            
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