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Full text: Chemische Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 21

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Gruppe III. Chemische Industrie. 
Nur dann, wenn es gilt, vollkommen gebleichten Papierstoff zu 
erzeugen, wird die Abscheidung der Faser im reinen Zustande eine 
Nothwendigkeit und setzt dann die Anwendung gewisser chemischer 
Processe voraus. 
Obgleich die Zusammensetzung der angeführten Rohmaterialien 
in mehreren Punkten wesentlich von einander abweicht, so zeigt 
doch der im Wasser unlösliche Theil derselben, welcher im vorlie 
genden Falle vor Allem in Betracht kommt, eine gewisse Gleichartig 
keit und es ist daher für die richtige Deutung der Aufgabe der Auf- 
bereitungsprocesse von Wichtigkeit, diesen etwas genauer ins Auge zu 
fassen. 
Behandelt man die passend zerkleinerten Rohmaterialien wieder 
holt mit kochendem Wasser, so wird ein gewisser Theil derselben, 
welcher bei Stroh, Esparto und Bambus circa 10 p. C., bei den eigent 
lichen Holzarten nur wenige Procente ausmacht, gelöst. Dieser Extract 
enthält neben den löslichen mineralischen Bestandtheilen und circa 1 / 3 
der Kieselsäure verschiedene organische Säuren, Farbstoffe, Zucker 
und gummiartige Körper von noch unbekannter chemischer Natur. 
Setzt man hierauf das Kochen mit Wasser noch weiter fort, so zeigt 
es sich, dass neue, wenn auch nur geringe Mengen des anscheinend 
unlöslichen Rückstandes gelöst werden und dies geschieht offenbar 
dadurch, dass gewisse unlösliche Bestandtheile durch länger fortgesetz 
tes Kochen mit Wasser sich in lösliche Körper verwandeln. Bei 100° 
geht diese Umsetzung nur sehr langsam von Statten, aber unter er 
höhtem Druck werden, wie beim Stroh nachgewiesen wurde, schon 
sehr beträchtliche Mengen in Lösung gebracht. Wird der mit kochen 
dem Wasser extrahirte Rückstand nun längere Zeit mit einer seihst sehr 
verdünnten Lösung von kohlensaurem Natrium (10 Grm. krystallisirtes 
kohlensaureB Natrium in 11 Wasser) behandelt, so färbt sich die Flüs 
sigkeit gewöhnlich dunkelgelb, indem ein weiterer nicht unbeträcht 
licher Antheil in Lösung geht. Es beträgt derselbe bei den verschie 
denen Materialien 10 bis 12 p. C. und noch mehr. Diese Lösung giebt 
beim Uebersättigen mit einer Säure einen voluminösen, dunkel gefärb 
ten Niederschlag, welcher circa 6 bis 8 p. C. der ursprünglichen Sub 
stanz entspricht und in seinem Verhalten viele Aehnlichkeit mit Pec- 
tinsäure zeigt. Ausserdem enthält die Lösung durch Säure nicht 
fällbare gummiartige (pectinartige) Körper. Durch länger fortgesetz 
tes Kochen mit der alkalischen Lösung werden nach und nach weitere 
Mengen des Rückstandes in Lösung gebracht, indem nunmehr auch 
ein Antheil der Cellulose gelöst wird. Der nach dieser Behandlung 
bleibende Rückstand zeigt äusserlich wenig Verschiedenheit von der 
ursprünglichen Substanz, obgleich diese nunmehr 20 bis 30 p. C. und 
selbst noch mehr ihres Gewichtes verloren hat. Die faserige Masse 
ist etwas dunkler gefärbt und um ein Weniges geschmeidiger gewor-
	        
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