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gebracht und die erste Hälfte des XVIII. Jahrhunderts fügt neue Werke hinzu, aus
viereckigen und runden Eisenstangen zusammengesetzte Gitter, mit Zierrosetten beschlagene
Thore, Schlösser von riesigen Dimensionen, geschmiedet und gravirt. Eine große
Zahl der Schlosserarbeiten, welche die Dinzenhofer'schen Werke zieren, tragt auch das
Merkmal seines Geistes, so die Schlosserarbeiten zum heiligen Nikolaus in der Altstadt,
bei St. Thomas auf der Kleinseite, St. Karl Borromäns in der Neustadt und sonst
noch häufig.
Aber schon zu Ende des XVIII. Jahrhunderts sinkt die Kunstschlosserei, indem
einerseits das Schmiedeeisen vom Gußeisen verdrängt wird, anderseits auch Messing und
Bronze-Arbeiten, die zu Anfang unseres Jahrhunderts beliebt waren, über das bis jetzt
dominirende Eisen die Oberhand erlangten. Und wie dieser Zweig der Kunst, so sinken
auch andere Kunstzweige zumeist zu Fabriksarbeiten herab. Die böhmischen Glashütten
behaupten ihre technischen Errungenschaften und ihren Markt, aber die Formen werden
geschmacklos; die Fayence-Fabriken in Prag und Teinitz gehen, kaum ins Leben gerufen,
wieder ein und es entwickelt sich allmälig die Porzellanfabrikation, welche eine größere
Lebensfähigkeit in sich trug.
Die Gründung der gegenwärtig zur hohen Vollendung gediehenen Etablissements in
dem ehemaligen lMogner Kreise, in Elbogen, Schlackenwald, Pirkenhammer, Altrohlan,
Dalwitz, u. a. m., jene der gräflich Thun'schen Fabrik zu Klösterle im Saatzer Kreise fällt
bereits in den Schluß des XVIII. und in die erste Hälfte des XIX. Jahrhunderts.
Die Bauthätigkeit der Vierziger- und Fünfziger-Jahre, welche zum großen Theile
die Pfade der alten Stile einschlug, kam wenigstens manchen Industriezweigen zustatten.
Doch aus denKünstlerkreisen kommt seltenJemand den Bedürfnissen der Industrie entgegen.
Einen für jene Zeit seltenen Sinn für die Kunstindustrie zeigt Joseph Manes, der zuerst in
seinem aus romanischen und volksthümlichen Motiven abgeleiteten Ornamente eine strenge
Stilisirung berücksichtigt, wie wir sie überhaupt an den Entwürfen, die er der Kunst
industrie bot, bemerken. Aber alle diese und ähnliche Erscheinungen der Fünfziger- und
Sechziger-Jahre sind mehr individuell und dringen nicht durch.
Unterdessen machte sich zur selben Zeit, als in London unter dem Namen Tiro Vioirna
tVIrrsouirr die letzten Reste der Rudolfinischen Sammlungen, die einst (im Jahre 1782)
auf dem Licitationswege der Buchdrucker Johann Schönfeld erworben hatte, verkauft
wurden, die Parole immer mehr geltend, man solle die Denkmäler des Knnstgcwerbes
erhalten und sie als Vorbilder für die moderne Industrie benützen. Bald nachdem das
österreichische Museum in Wien gegründet war, dachte man daran, ein Kunstgewerbe
museum in Prag zu gründen, was jedoch erst im Jahre 1885 geschah, und im Jahre 1868
wurde von der Prager Handelskammer im Verein mit dem österreichischen Museum die