14
GRUPPE III. — G. RITTER von OVERBECK — HONGKONG.
No.
No.
Dr. GUSTAV GRUPPE. MANILLA
(Philippinen).
218
L
Collection medizinischer Pflanzen.
Hölzer, ätherische Oele und !!
Droquen von den Philippinen, j
Bemerkung des Ausstellers: Un-
ter den zahlreichen vegetabilischen
Medicameuten, welche auf den Phi
lippinen von den Eingeborenen mit
mehr oder minderem Erfolg ange
wendet werden, verdienen besonders
zwei die Aufmerksamkeit der Fach
männer: die Dita-Rinde und die !
Eruehtsehale des Mangostans, letz
tere in Europa vor einigen Jahren
als Gerbmittel eingeführt. Die Dita
ist die Rinde einer Apocyneae-Eehi-
tes escolaris. bei den Indianern in
grossen Ansehen als Heilmittel bei
allen Fieberarten stehend. Einge
hende Versuche, mit dieser Rinde
angestellt, ergaben als wirksamen
Bestandtheil derselben einen unery-
stallisirbäien, sehr hygroscopischen
Bitterstoff, dem ich nach der Rinde
den Namen Ditain gab. Mit dem
Ditain wurde in den hiesigen Ho
spitälern, Militärlazarethen und dem
Gefangenhause so wie bei Privaten
von den bedeutendsten hiesigen
Aerzten vielfache Versuche gemacht,
wonach sich ergab, dass das Ditain
das Chinin vollständig ersetzt, ohne
die oft sehr störenden Unbequem
lichkeiten des Chinins zu besitzen,
ln derselben Art und Dosis wiedas
Chinin angewendet, erzielte man
damit stets sehr günstige Resultate.
Dr. Pina behandelte einen SOjäh-
rigen Greis (Mestizen), der an Ty
phus litt; 6 Gramm Ditain genügten
zur vollständigen Heilung desselben.
Derselbe Arzt behandelte einen spa
nischen Offizier vom 4. Regiment,
welcher lange an immer wiederkeh-
rendem Weehselfieber litt; nach drei
tägigem Gebrauch von je 6 Clysmas j
a 2 Decigrm. Ditain wurde er dau
ernd geheilt. Als Tonicuin zeigte es
sich in vielen Fällen von ausgezeich
neter Wirksamkeit. Im Hospital
San Juan de Dios, in der Carcel
publica de Bilibid, im Eazareth des
2. und des 4. Regiments ist es als
Medicament statt des Chinins einge
führt; augenblicklich werden im
Süden Mindanos, wo sehr heftige
Dr. GÜSTAY GRUPPE, Manila
Fieber herrschen, von mehreren Ma
rineärzten Versuche damit gemacht.
Der Echites ist ein namentlich
auf Luzon in der Provinz Batangas
sehr häufig vorkommender Baum.
Die Rinde wird abgeschält, ohne
dem Wachsthume des Baumes zu
schaden. 50 Kilogramm Rinde stel
len sich auf circa 10 Francs loco
Manilla. Die Bereitung des Ditalns
is ähnlich der des Chinins und lie
fern 10 Kilo Rinde circa 1 Kilo
Ditain, so dass sich der Preis in
Europa auf etwa 150 bis 160 Frcs.
pr. Kilo stellen würde, was bei dem
enormen Consum des Chinins gewiss
von grossem Vortheil, besonders für
Hospitäler undMilitair-Lazarethe ist.
Das zweite neue Medicament ist
das Extratnm antidysentericura aus
den Fruchtschalen des Garcinia Man
gostana hergestellt; auf Madras in
Cochinchina und auf den südlichen
Philippinen wachsend, wird dort in
sehr primitiver Weise die Abkochung
der Schalen als ausgezeichnetes An-
tidysentericum angewandt. Im Juni
dieses Jahres (1872) erkrankte mein
ältester Sohn heftig an Dysenterie
und wollten weder Calomol, Ipe-
eacuauha. Opium noch Adstringentia,
helfen. Ich unterwarf hierauf die
Fruchtschalen des Mangostans einer
pharmaceutischen Behandlung, und
versuchten wir dann mit dem daraus
dargestellten Extraet die Krankheit
zu lieben. Nach 24stündigem Ge
brauche einer Mixtur aus 8 Grm.
Extraet in 120 Grm. versüssten Was
ser und 2 Tropfen Laudanum hörte
der bisher sehr frequente Blut- und
Schleimgang fast gänzlich auf, das
Fieber liess nach, und nach 2 Tagen
war mein Sohn reconvalescent. Ich
übergab hierauf den hiesigen Kran
kenhäusern und Privatärzten grosse
Mengen des Extractes und hat jetzt ||
in der Zeit von 4 Monaten der Ver
brauch des Extr. antidysentericum
eine ungemeine Höhe erreicht. Bei
chronischen Dysenterie hat es sich
als fast infallibles Mittel bewährt,
bei chronischen Diarrhöen so wie 1
allen catarrhalisehen Krankheiten
des Uterus, der Blase und der Harn
röhre wurden ausgezeichnete Erfolge
damit erreicht. Es wurde angewendet
in Clysmas von 16 Grm. Extraet
■' -1 —%