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GRUPPE XVI. - G. RITTER von OVERBECK - HONGKONG.
G. R. v. OVERBECK, Hongkong
zurZeit der Ming-Dynastie getragen |j
wurde. Dieser Genius befördert und
beschützt den Detail-Handel.
Tscli’eng hwang pu sa, der Bodd- [
bisattva einer Stadt, oder der Schutz-
geist eines Platzes oder dor Haupt
stadt des Reiches, eines Kreises I
oder Bezirkes und heisst auch dem
nach Tu tseh’eng hwäng, En tsch’eng
hwang oder Hien tsch’eng hwang.
Dieser Gott gehört der Staatsreligion
an und hat seine Tempel in allen
Hauptplätzen, z. B. in Peking drei.
In der Hand hält er ein Hub, dor ,
im Mitttelalter von Staatsleuten in ;
der Gegenwart des Kaisers als eine
ArtScepter getragen wurde undaus
Elfenbein oder Stein verfertigt war. |
Hoi hu hiuen t’an, das ist der
Gott mit dem schwarzen Tiger und
schwarzen Altäre; er steht als der i
hinterste in dieser Gruppe, hat ein
breites bärtiges braunes Gesicht,
trägt einen grünen Schuppenpanzer, |j
der mit Gold belegt ist und hält
in der Hand einen Pien, einen neun
knotigen (auf dem Bilde irrthümlieh
zehnknotigen) Degen; auch er wird
von Geldbedürftigen verehrt.
Das scheussliehe Ungethüm mit
dem weissen Tigergesichte, den 3
Augen, der Hellebarde in der einen
und einer Glocke in der andern Hand,
soll Ling kwan, der ätherische Gott,
sein und soll die Menschen vor den
Uebelthaten der Gespenster beschüt
zen.
Vor dieser Gruppe steht eine gros
se broncerne Opfersehale (Tsii pao
peng), d. h. das Gefäss, worin die
als Opfer dargebraehten Kostbar- I
keiten aufgesammelt werden. Man
sieht darin rauchende Perlen, Ko- J
rallen, Goldstücke und einen rothen
Ju-i, einen gekrümmten Scepter, den
in früheren Zeiten Vasallen und '
Staatsleute hatten.
Neben dieser Gruppe über den
Gewässern schwebend sind drei Un-
gethüme abgebildet, wovon das
seheussliehste
Hai hing wang, der Eürst der See
drachen, ist. Er ist der Neptun der
Chinesen und von seiner Gottheit I
erflehen die chines. Beamten Regen.
Er hat zahlreiche Tempel an den
Ufern des grossen Kanals. Die zwei
hinter ihm stehenden minder gräss-
G. R. v. OVERBECK, Hongkong
liehen Ungethüme sind die Ausfüh
rer seiner Befehle n. zw. der eine '
ah Hing tsien mit der Lanze, der
andere als Ling tseh-chi mit Flag
gensignalen.
Die zwei Knaben, die auf einem
Felsen stehen, sind zwei Genien und
heissen Ilohoch-erh-hien, d. i. die j,
zwei Genien der Harmonie und
der Einigkeit; der eine davon, der
Ho-hien mit einer Seerose, Ho-hwa
dem Symbole der Ruhe, verscheucht
Sorgen; der zweite Hoh-hien hält
eine Schachtel, er besänftigt erzürnte
Gemüther.
Auf der erhabenen Balustrade be
finden sich die
Acht Genien Pa hien — Genien I
(Hien) sind ursprünglich fromme und
ausgezeichnete Menschen gewesen,
die als solche auf Hügeln und Ber
gen, ferne von jeder menschlichen
Wohnung, lebten ; sie sind als Ge
nien unsterblich und haben die Macht
Jemandem sichtbar oder unsichtbar
zu erscheinen. Sie sollen in der
Alehymio oingeweiht und auch be
reits den Stein der Weisen gefunden
haben; sie erwecken die Todteu zum
Leben und sollen vieles andere Wun
derbare leisten. Die Chinesen sagen:
„Alt bleiben und doch niemals ster
ben sind die Hien“. Die acht Ge
nien, unter denen 1 Frau ist, sind
Genien höheren Ranges, als die übri
gen. Da man sie für stets glücklich
und unsterblich hält, so werden sie
auf verschiedenen Hausgerüthen ge
malt; an Geburtstagon gedenkt man
ihrer, in dor Meinung dadurch Theil-
nehmer ihres Glückes zu werden,
das mit einem langen Leben ver
bunden sein soll. — Die acht Ge
nien sind, wie folgt:
1. Ho hien ku, d. i. der weibliche
Genius Ho, ist die an dor Ecke der
Balustrade sich hervorlehnondo Frau,
ln der Hand hält sie eine Wasser
lilie.
2. Hang-tschung-ti - d. i. Fami
lienname Han, Eigenname Tschung-
li — ist der hinter der Ho - hien-
ku wild aussehende, langbärtige
und mit seinen grossen Augen
nach den Himmel glotzende Genius,
seine Rechte hat er auf seinem kah-
! len Vorderköpfe. '
3. Tsekang-kwo-lau — d. i. der