104 Gruppe III.
Stassfurt und Leopoldshall, welche 1861 circa 2,700 Einwohner
hatten, zählen jetzt 12,000.
Hauptfabricationsartikel sind:
Chlorkalium von 98 pCt. % 95 pCt., 90 pCt. und 80 pCt. Gehalt
für Darstellung von Salpeter, schwefelsaurem Kali, Potasche, Alaun
u. s/w. — Jetzige Jahresproduction etwa 1,000,000 Ctr.
Kalidüngmittel in verschiedenen Concentrationen und Mischungen
mit schwefelsaurer Magnesia und Kochsalz. Production circa
1,250,1X10 Ctr.
Schwefelsaures Kali und Potasche circa 50,000 Ctr.
Schwefelsäure Magnesia, roh und crystallisirt. — Kieserit in
Blöcken und Bittersalz circa 250,000 Ctr.
Chlormagnesium, crystallisirt und geschmolzen, circa 130,000 Ctr.
Glaubersalz, crystallisirt und calcinirt, gewonnen durch Um
setzung der schwefelsauren Magnesia mit Chlornatrium bei Frost
kälte, circa 150,(XXI Ctr.
Borsäure aus Boracit circa 400 Ctr.
Brom circa 700 Ctr.
Bei Beginn der Stassfurter Fabrieation betrug der Preis des
Chlorkaliums 7—8 thlr. pr. Ctr., jetzt 2 3 / 4 — 3 thlr. Die Fabrieation
der Kalidüngmittel ist überhaupt erst durch die Stassfurter Industrie
geschaffen worden.
Die rohe schwefelsaure Magnesia (Kieserit mit 55 — 60 Procent
wasserfreier schwefelsaurer Magnesia) wird jetzt mit 5 Sgr. pr. Ctr.
geliefert. Brom, welches bis 1865, wo seine Gewinnung von Dr. Frank
in Stassfurt aufgenommen wurde, ausschliesslich für wissenschaftliche
Zwecke verwendet worden war und 16 —17 thlr. pr. Kilo kostete,
ist jetzt ein der Medicin und der grossen Technik zugänglicher Ar
tikel geworden und kostet, obgleich seine Darstellung bisher noch
immer in einer Hand ist, nur noch 3—3’/ 2 thlr. pr. Kilo. Von der
Gesammtproduction der Stassfurter Industrie werden circa 70 Pro
cent exportirt — namentlich nach England, Frankreich, Belgien, den
Vereinigten Staaten etc. —, während etwa 30 Procent im Inlande
weitere Verwendung und Verarbeitung finden.
Ausser bei Stassfurt - Leopoldshall hat man bisher technisch
verwerthbare mineralische Kalisalze nur noch an einem einzigen an
dern Fundort angetroffen, nämlich bei Ivalucz in Galizien. Die dor
tigen Lager werden indessen, obwohl A. Rose schon in den fünfziger
Jahren auf das Vorkommen von Sylvin aufmerksam gemacht hat,
erst seit 1869 industriell ausgebeutet. In Kalucz finden sich beson
ders reiche und mächtige Lagen von Sylvin und Kainit, während die
wahrscheinlich tiefer liegenden Carnaliitschichten bisher noch nicht
aufgeschlossen worden sind.
Die Fabrieation von M i ne r a 1 ö 1 en und Paraffin aus Braun
kohlen ist eine fast ausschliesslich der preussischen Provinz Sachsen
angehörige Industrie. Die ersten Versuche, diese Stoffe daraus her
zustellen, fallen in die Jahre 1855 und 1856, nachdem der Braun
kohle verwandte organische Körper in Deutschland bereits mehrere
Jahre zu gleichem Zwecke verwendet waren, so der bituminöse Schiefer