106 Gruppe III.
aufgefunden, und es können mit ziemlicher Gewissheit weitere bedeutende
hortschritte in Aussicht genommen werden. Je weniger
aber die Rentabilität der Mineralöl- und Paraffin - Fabriken in Zukunft
von der Mineralöl-Fabrikation abhängig, je wichtiger die Rolle werden
wird, die das Paraffin spielt, desto mehr ist auf eine weitere
Ausdehnung der Braunkohlen-Industrie zu rechnen, da das Vorkommen
von genügend paraffinhaltiger Kohle bei weitem häufiger ist
als das von solcher, die zugleich brauchbares Mineralöl liefert.
Den andern grossen Industrien Deutschlands, z. II. der Zuckerindustrie
gegenüber, spielt die Mineralöl- und Paraffin-Fabrieation
zwar nur eine untergeordnete Rolle, desto wichtiger aber ist sie für
diei Provinz Sachsen wo sie in erster Linie wesentlich zur Hebung
und Entwickelung des Bram,kohlen-Bergbaues (sie eonsumirte im
Jahre 18/1 allein 12,890,852 Hect. Kohlen) beigetragen hat. Eine
grosse Anzahl Maschinenfabriken, Eisengiessereien und Kesselschmieden
wird durch siei beschäftigt Sie consumirt zu Reinigungszwecken
jährlich ca. 80,000 Ctr. Schwefelsäure und ca. 15,000 Ctr.'Aetznatron
grosse Mengen von Kisten, Fässern, Glasballons, Papieren zum Verpacken
der I abricate etc. Direct dienten der chemischen Braunkohlenindustrie
(excl. der Bergleute) im Jahre 1871 2,608 Menschen.
Die Drennole werden fast ausschliesslich in der Nähe des Gewinnungsortes,
im Königreich Sachsen und in Oesterreich consumirt,
und namentlich sendet die Dr. Hübner’sche Fabrik nach letzterem
Staate grosse Quantitäten deutschen Petroleums, das erfolgreich mit
dem amerikanischen concurrirt. Die Paraffinöle werden in heller und
dunkler Farbe zur Schmierfabrication in ganz Deutschland und in
Oesterreich verbraucht, in neuerer Zeit aber vielfach und mit Vortheil
zur Ga.sfabncatioii verwendet. Sie liefern pr. Ctr. 30 cbm. eines
•S —4 Mal heller leuchtenden Gases als die Steinkohle. Die Einrichtungen
zur Vergasung des Paraffinöls sind bei weitem weniger
kostspielig als die zur Vergasung der Steinkohle. Das gewonnene
Paraffin (Schmelzpunkt 30—60° C.) wird nur zum Theil in Deutschland
verbraucht. Etwa die Hälfte des dargestellten Quantums wird
nach England Italien, Oesterreich, Frankreich, Dänemark u. s. w.
ausgeluhrt. Die härtern Sorten werden in der Hauptsache zur Kerzeniabrication,
die geringem vornehmlich als Zusatz zu Wachs und
Stearin verbraucht. Auch in anderen Industrien findet es Verwendung,
so in der Schwefelholz-Fabrieation zum Tränken der Hölzer,
in der Zuckerfabrication an Stelle der Butter in den Saturationspfannen,
in der Spielwaaren-Fabrieation bei Herstellung der Puppenkopte,
resp. des wachsartigen Ueberzuges derselben u. s. w.
In Folge seiner klimatischen Verhältnisse tritt Deutschland nur
in wenigen I allen als Selbstproducent p f 1 a n z 1 i c h e r F a r b s t o ff e
aut und bleibt daher für seinen hierin sehr bedeutenden Bedarf
(darunter circa 25—30,000 Ctr. Indigo im Werthe von circa 8 Millionen
thlr., 700,000 Ctr. Farbhölzer im Werthe von circa 4 Millionen
thlr. und 6,(XX) Ctr. des (thicrischen) Cochenillefarbstoffs den südlichen
aussereuropäischen Ländern bei jetzt zum grossen Theil directen
Handelsbeziehungen tributär, Angebaut werden in Deutschland
nur noch Krapp (Köthe), hauptsächlich in Schlesien, «der Pfalz und