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Full text: Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

Gruppe IV. 
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lassen, die Walzenarbeit zum Quetschen beim Griesmachen zu ver 
wenden, die Carr’sche Schleudermühle (Disintegrator) zum Schroten 
zu benutzen etc. — Die hierbei auftretenden Streite haben (nach 
allen Richtungen hin) zur Zeit noch zu keinem entscheidenden Ende 
geführt, indess hat man doch in Bezug auf die Mahlmethode so viel 
erkannt, dass die Griesmüllerei mehr für Süddeutschland, mehr für 
die Kipfel-, Knödel- (überhaupt Mehlspeisen-) Esser, als für die an 
gröbere Kost gewöhnten Norddeutschen und ferner dahin passt, wo 
man weiss, was man bei der geringen Menge edleren Mehles (Kaiser 
mehl) mit der grossen Masse ordinärerer Mehlsorten anfangen kann. 
Die grösste zur Zeit in Deutschland existirende (für den Export 
arbeitende) Getreidemühle (für Flachmüllerei) ist die der Gebrüder 
Lange in Neumühlen bei Kiel, mit nicht weniger als 64 Gängen in 
einem einzigen Etablissement. Dann dürfte Krietsch in Wurzen 
(Königreich Sachsen) folgen, weiter die Bromberger Seehandlungs 
mühle, ferner die Stettiner Actienmühle etc. Die grössten Getreide 
mühlen Süddeutschlands sind die von Corell in Neustadt a. d. Hardt 
und die von May & Co. in Hansen bei Frankfurt a. M., dann die 
Münchener Ludwigsmühle (ehemals Walzenmühle) etc. Jede der beiden 
erst genannten Mühlen hat dennoch nicht mehr als 12 Gänge. 
Die Gesammtzahl der deutschen Mühlen giebt die amtliche Sta 
tistik des Zollvereins für 1864 zu 59,118 an, die Zahl der Gänge zu 
104,405. 
Neben der deutschen Getreidemüllerei spielt die Fabrication der 
Graupen (jetzt ausschliesslich aus Gerste) eine wuchtige Rolle. Die 
grösste, vortreffliches Fabrikat liefernde Graupenmühle Norddeutsch 
lands (zugleich mit eigenthümlichen Gerstenspaltmaschinen arbeitend) 
ist zur. Zeit die von Mackensen (Bierbaumsmühle), zwischen Hildes 
heim und Goslar. 
Auf dem Felde der Mehlwaaren- (Teigwaaren-) Fabrication, ins 
besondere der Maccaroni-, Faden- und Fafonnudel-Fabrication hat 
auch Deutschland bereits mit Erfolg begonnen, den älteren erfahre 
neren Vorgängern in Italien, Oesterreich-Ungarn etc. Concurrenz zu 
machen. 
Schliesslich werde erwähnt, dass auch deutsche Fabriken für 
Weizenstärke immer noch sehr gute Geschäfte machen, da sich die 
Kartoffelstärke, trotz ihrer Wohlfeilheit, für viele Zwecke der Ver 
wendung mehr oder weniger unbrauchbar zeigt. In Norddeutsch 
land stellt man immer noch die Producte der Halleschen Stärkefabri 
ken oben an, denen die Salzuffelner (bei Herford) folgen dürften, 
dann die von Kuhlmann in Hannover u. m. A. 
Bekanntlich wmr es dem Napoleon’schen Continentalsystem 
und den von England dagegen ergriffenen Repressalien Vorbehalten, 
der Rübenzuckerindustrie in Deutschland die allgemeine 
Aufmerksamkeit und Beachtung zuzulenken. Der rasch und zu 
einer enormen Höhe gestiegene Preis des Colonialzuckers wurde 
Veranlassung, dass zahlreiche Fabriken entstanden, freilich meist 
gegründet von unfähigen Geldspcculanten, die der neuen Indu 
strie weder aus Liebe zugethan waren, noch auch technische 
Befähigung für industrielle Unternehmungen besassen, und kann
	        
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