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Full text: Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

146 Gruppe IV. 
in der ganzen Welt Absatz gefunden; von diesen 4 Millionen con- 
sumirt England nahezu die Hälfte mit 2 Millionen, eine Million wird 
nach Amerika, Australien, Indien, Russland etc. exportirt, und eine 
Million im Lande selbst consumirt. Zu der Herstellung dieser 4 Mill. 
Flaschen werden jährlich ca. 30,000 Hectoliter --- 2,500 rheinische 
Stück Wein verbraucht, und steht die Fabrication der deutschen 
Schaumweine gegenwärtig in solch hoher Bliithe, dass voraussichtlich 
von Jahr zu Jahr sich deren Production erheblich vermehren wird. 
Entsprechend den Aenderungen im Geschmack des Publikums 
und den Fortschritten in der Brautechnik hat sich auch der Cha- 
racter der deutschen B i e r e in den letzten Jahrzehnten wesent 
lich geändert. Nachdem das sogenannte Bayerische Bier zumal in 
den Städten die leichteren ortsüblichen meist obergährigen Biere 
ziemlich verdrängt hatte, und der Bierconsum in Folge dessen ge 
waltig gestiegen war, macht sich jetzt besonders in Norddeutschland 
ein Umschwung dahin gehend bemerkbar, dass die nach böhmischer 
Art gebrauten blässeren und weingeisthaltigeren Biere wiederum die 
dunkleren extractreicheren Bayerischen Biere immer mehr verdrängen. 
Gleichzeitig erfolgt in dem Maasse, wie die Bierbrauerei rationeller 
und mit Anwendung aller Hülfsmittel der Chemie und Technik be 
trieben wird, ein Zurückgehen der Anzahl der kleinen Brauereien 
und eine Concentration der Bierbereitung in grossen, vielfach durch 
Actien - Gesellschaften errichteten Etablissements bei fortwährend 
steigender Massenproduction. Die kleine Brauerei ohne Eiskeller, 
ohne Maschinen, ohne spezielle Techniker kann eben mit den gros 
sen Etablissements weder in Bezug auf Güte noch auf die Herstel 
lungskosten des Productes mehr concurriren. 
Neben der Production gehaltreicherer Biere für den Massen- 
Consum hat denn auch die Herstellung feiner und "schwerer 
Flaschenbiere und Exportbiere, unterstützt durch eine der Steuer 
entsprechende Exportbonification, einen bedeutenden Aufschwung ge 
nommen und wird stellenweise auch schon für Flaschenbiere die 
Methode des Pasteurisirens zum Zwecke der Erreichung grösserer 
Haltbarkeit mit Erfolg angewandt, trotzdem dass der starke Kohlen 
säuregehalt für dieses Verfahren beim Bier viel mehr Schwierigkeiten 
und Verluste durch das Springen von Flaschen herbeiführt wie 
beim Wein. 
Die Production lässt sich nur annähernd aus den Steuererträgen 
berechnen und zwar zahlt das zur Brauerei verwendete Malz im Ge 
biet des ehemaligen Norddeutschen Bundes pro Ctr. 20 Sgr. Steuer, 
wobei eine durchschnittliche Bierproduction von 100 Lit. pro Ctr. 
Malz angenommen wird. Erlaubte Malzsurrogate wie Syrupstärke 
u. s. w. werden entsprechend besteuert. In Bayern zahlt der baye 
rische Scheffel Malz (= 2,2 Hectoliter) 5 fl. 12 kr. Steuer, in Würt 
temberg der Ctr. 2 fl. 25 kr. In Baden wird die Steuer nicht nach 
dem verbrauchten Malz, sondern nach dem Inhalt der Braukessel 
berechnet und beträgt die Steuer pro 150 Lit. Kesselinhalt 11 fl. 
40 kr., was einer Besteuerung des fertigen Bieres von 18 fl. 13 kr. 
auf 150 Lit. ziemlich gleichkommt.
	        
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