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Full text: Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

Gruppe IV. 
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worden ist, ein Umstand, der in dem in dauernder Steigerung be 
griffen gewesenen Bierconsum seine Erklärung findet. 
Tabak. Der Gebrauch des Tabaks ist in Deutschland durch 
fremde Truppen im Beginn des 30jährigen Krieges bekannt gewor 
den und hat sich rasch verbreitet. Seit 1660 bauen die Pfalz und 
Hessen, seit 1676 die Mark Brandenburg Tabak an. Die gegen 
wärtige Ausbreitung des Tabaksbaues ist wegen der Art seiner 
Besteuerung sehr genau bekannt. Nach dem letzten für das ganze 
Deutsche Reich geltenden Gesetze über die Tabakssteuer vom 26. Mai 
1868 haben je 6 J Ruthen mit Tabak bebauter Fläche eine Abgabe 
von 6 Sgr. (21 kr.) jährlich zu zahlen. Der Controle wegen wird 
auch die Zahl der Pflanzer, welche weniger als 6 □ Ruthen bebauen 
und deshalb steuerfrei sind, ermittelt; ebenso die durchschnittliche 
Production und der Preis des gewonnenen Products. 
Die Ergebnisse für 1871/72 lassen sich folgendermassen über 
blicken : 
Landestheil. 
Zahl 
der Tabaks 
pflanzer. 
Davon 
steuerfrei. 
Mit Tabak sind bebaut 
überhaupt 
Fläche, 
Heetaren. 
davon 
steuerfrei 
Heetaren. 
von je 1,000,000 
Heetaren 
des Gesammt- 
Areals. 
Pro 
duction. 
Preussen, Posen, 
Schlesien . . . . 
Pommern 
Brandenburg . . . 
andre preussisebe 
Provinzen .... 
Pfalz 
andre Provinzen 
Bayerns 
Baden 
Hessen 
Eisass - Lothring. 
andere deutsche 
70,091 
9,026 
12,612 
14,461 
14,947 
3,532 
32,541 
4,130 
13,028 
65,320 
6,555 
8,004 
1,530 
15 
121 
1,605 
1,192 
1,154 
1,954 
182 
35 
38 
1,625 6 
3,748 * — 
973 
7,104 
980 
3,159 
1 
88,6 
3&3,i 
489,9 
40,708 
41,970 
59,724 
109,6 56,488 
6,311,1 I 123,775 
139,2 
4.639.7 
1,276,3 
2.179.8 
20,378 
205,069 
31,311 
115,518 
75,8 
424,6 
713,945 
4,223 
Zusammen, 178,591 
83,675 
Der Hauptanbau liegt also am Mittelrhein. Dort bebauen die 
einzelnen Pflanzer auch verhältnissmässig grosse Flächen von durch 
schnittlich >/ 4 Hectar. Im nördlichen Deutschland ist der Anbau 
klimatisch nicht begünstigt und wird neben wenigen grösseren Cul- 
tivateuren von zahlreichen steuerfreien Pflanzern für ihren Haus 
gebrauch getrieben. Der gewöhnliche Preis für Pfälzer Tabak steht 
auf 16—18 Thlr., für Uckermärkischen auf 7—9 Thlr., für Schlesi 
schen aber nur auf 3—4 Thlr. 
Die Tabaksfabrication Deutschlands ist sehr erheblich, sie ver 
wendet etwa 1 Mill. Ctr., darunter durchschnittlich 10—20% mehr 
ausländischen als inländischen Tabak. Während die eigene Produc 
tion in Rohtabak in den letzten zehn Jahren durchschnittlich (ohne 
Elsass-Lothringen) 561,227 Ctr. ergab, betrug die Einfuhr von Roh-
	        
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