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Full text: Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

Gruppe V 
Textil- und Bekleidungs-Industrie. 
Die W ollenwaarenindustrie, seit Jahrhunderten in Deutsch 
land heimisch und fast über alle seine Staaten und deren Provinzen 
verbreitet, zerfällt in die Streichgarn- und die Kamingarnindustrie. 
In Ansehung der Qualität der Wolle, auf deren Verbesserung erst 
seit Ende des vorigen Jahrhunderts in Deutschland hingearbeitet 
worden ist, hat im Laufe der Zeit die Qualität der Waaren eine 
günstige Wandelung erfahren, und die numerische Erweiterung der 
Wollenindustrie ist theils aus den Segnungen des Zollvereins, theils 
aus der mächtigen Entwickelung des mechanischen Betriebes hervorge 
gangen. An die Stelle der groben Tücher, welche in früherer Zeit 
ein Gegenstand der Hausindustrie waren, sind fabrikmässig erzeugte, 
feinere Tücher und tuchartige Stoffe getreten, und die Kammgarn 
industrie, die besonders eines langen Wollenstapels bedarf, hat der 
Sorgfalt, welche die deutsche Landwirthschaft der Wollenproduction 
zuwendete, den Anfang ihrer Bedeutung zu verdanken, die nunfnehr 
unter Benutzung internationaler Wollenmärkte durch die in bestän 
diger Vermehrung begriffene Zahl der mechanischen W'ebstühle von 
Jahr zu Jahr hervorragender wird. 
Die jährliche Wollenproduction in Deutschland, die sich vorzugs 
weise über die Provinzen Preussen, Pommern, Posen, Schlesien in 
Preussen, und über Mecklenburg ausdehnt, lässt sich zu 700,000 
Ctr. schätzen. Hiervon gehen an Export 250,000 Ctr. ab, während 
an Import 900,000 Ctr. hinzukommen, so dass die in Deutschland 
jährlich verarbeitete Wolle einen Betrag von 1,350,000 Ctr. erreicht. 
Die Ausfuhr an wollenen Waaren im Betrage von 300,000 Ctr. aus 
Deutschland übersteigt die Einfuhr ca. 50,000 Ctr. nach Deutsch 
land um 250,000 Ctr., und es bleiben sonach für den inländischen 
Consum 1,100,000 Ctr. verarbeitete Wolle übrig, d. i. 3,6 Pfund 
auf den Kopf der Bevölkerung, nur übertroffen von England, wo 
4,2 Pfund auf den Kopf kommen. Im Jahre 1849 betrug der 
Wollenconsum im Zollverein 1,7 Pfund pro Kopf; daher ist der 
selbe in den letzten 20 Jahren auf das Doppelte gestiegen.
	        
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