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Full text: Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

XXIII 
In der Wollfabrication zeichnen die Regierungsbezirke 
Aachen und Düsseldorf, die Provinz Brandenburg, der König 
lich sächsische Regierungsbezirk Zwickau, ferner die reussi- 
schen Lande, Oberfranken, die Pfalz, Württemberg und Eisass- 
Lothringen sich aus. Speziell für Shavvls und Teppiche ist 
Berlin ein Hauptplatz. Die zollvereinsländische Ausfuhr an 
Wollwaaren übertrifft (mit beinahe 200,000 Ctr.) ebenso die 
Einfuhr, wie andererseits die Einfuhr von Wollgarnen die 
Ausfuhr übersteigt. 
Einfuhr Ausfuhr 
1868 1872 1868 1872 
a) Wollengarne Ctr. 271,507 344,256 73,933 114,923 
b) Wollene Waaren aller Art » 74,979 166,590 292,347 360,302 
c) Fussteppiche » 2,541 7,657 4,032 10,620 
Der Werth der Ausfuhr ist auf 70 Millionen Thaler be 
rechnet worden. 
Die Baumwoll-In dustrie lässt sich bis in den An 
fang des vorigen Jahrhunderts zurückverfolgen. Sie spann 
ihre ersten Fäden an die Woll-Industrie an, der sie jetzt als 
ebenbürtige Schwester gegenübersteht. Als das Continental- 
system des ersten französischen Kaiserreichs die Zufuhr eng 
lischer Twiste abschnitt, entstanden auf deutschem Gebiete 
zahlreiche Spinnereien, die sich, wenn auch unter mehrfachen 
ernsten Krisen, nunmehr zu grosser Bedeutung aufgeschwungen 
haben. 
In Chemnitz wurden Baumwollspinn - Maschinen von 
1826 an in grösserer Ausdehnung gefertigt und gebraucht. 
Die Gesammt-Baumwollwaarenpiroduction belief sich im 
Jahre 1871 auf l 2 / 3 Millionen Ctr. (gegen 1 Million Ctr. im 
Jahre 1860), wodurch nicht nur der eigene Bedarf gedeckt, 
sondern noch ein Theil des ausländischen Consums befriedigt 
werden konnte. Es wurden an Baumwollwaaren im Jahre 
1872 221,152 Ctr. aus dem Zollverein ausgeführt und nur 
49,059 Ctr. eingeführt; dagegen überstieg der Import von 
456,863 Ctr. Baumwollgarn ähnlich wie bei der Wollindustrie 
den Export, welcher sich nur auf 98,800 Ctr. bezifferte. 
Die Seiden- und Halbs ei d en-In dustrie mit ihrem 
Hauptsitze in der Gegend von Crefeld, in Elberfeld - Barmen 
und Berlin verbrauchte im Jahre 1871 72 980,000 Kilo Seide 
und Seidengespinnste im Werthe von 27 V 2 Millionen Thlr., 
gegen 350,000 Kilo mit einem Werthe von 8 4 / 5 Millionen Thlr. 
im Jahre 1843 — 44. —• Der Werth der Fabricate lässt sich 
auf 50 Millionen Thlr. schätzen. —• Im Jahre 1872 wurden 
14,041 Ctr. Seidenwaaren eingeführt, während der Export 
39,708 Ctr. betrug.
	        
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