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MAK

Full text : Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

XXIV

Die  Industrie  der  Nahrungs-  und  Genussmittel
findet  mit  Ausnahme  der  Rübenzucker  -  Industrie  überall  ihre
Verbreitung.  Hierbei  steht  obenan  die  Mehlfabrication,
welche  seit  den  20er  Jahren  durch  englische  und  amerikanische ­
  Vorbilder  und  Einführung  der  Dampfkraft  und  Turbinen ­
  in  quantitativer  wie  qualitativer  Hinsicht  sehr  vervollkommnet ­
  ist.  Im  Jahre  1861  gab  es  im  Zollvereine  59,118
Wasser-,  Wind-  und  Dampfmühlen  mit  104,405  Gängen.
Die  Zahl  der  Branntwein-Brennereien  incl.  der
rein  landwirthschaftlichen,  belief  sich  im  Jahre  1871  im  Norddeutschen ­
  Bunde  (i.  e.  Deutsches  Reich  excl.  Bayern,  Württemberg, ­
  Baden.  Elsass-Lothringen  und  Hohenzollern,  bezüglich ­
  deren  die  Zahlen  nicht  vorliegen)  auf  11,114,  von  denen
8,380  im  Betrieb  waren,  die  der  Bierbrauereien  ebendaselbst ­
  excl.  Hessen  auf  11,322.  Das  Brauereigewerbe  hatte
seinen  Hauptsitz  im  südlichen  und  mittleren  Deutschland
(Strassburg,  München,  Erlangen,  Culmbach,  Nürnberg,
Kitzingen,  Dresden),  bis  endlich  seit  einem  Jahrzehnt  auch
im  Norden  und  namentlich  in  den  industriellen  und  volksreichen ­
  Landstrichen  (Dortmund,  Berlin)  dies  Gewerbe  kräftigere ­
  Wurzel  fasste  und  sich  zu  einem  grossartigen,  auf  den
Export  berechneten  Umfange  entwickelte.  Die  Ausfuhr  von
Bier  betrug  im  Jahre  1872  670,961  Ctr.  und  5,199,236  Liter,
die  Einfuhr  nur  143,324  Ctr.  gegen  304,308  Ctr.  und  30,888
Quart  resp.  136,116  Ctr.  im  Jahre  1868.
Die  Brennereien  sind  vorzugsweise  auf  den  Verbrauch
von  Kartoffeln  eingerichtet.  Eine  verhältnissmässig  geringe
Anzahl,  welche  Getreide  verarbeitet  (im  Ganzen  2,412)  liegt
im  Westen  des  Landes.  Dagegen  hat  sich  im  Osten  mit  seinen ­
  weiten,  auf  Kartoffelbau  bewirthschafteten  Landstrecken,
die  Kartoffelspritfabrication  zu  einem  ebenso  umfangreichen,
wie  wichtigen  landwirthschaftlichen  Nebengewerbe  entwickelt.
Die  Rübenzuckerfabrication,  eine  deutsche  Erfindung ­
  des  vorigen  Jahrhunderts,  ist  mit  Hülfe  der  Dampfmaschinen, ­
  hydraulischen  Pressen,  verbesserten  Verdampfungsapparate ­
  und  Analysirungsmethoden  seit  dem  Jahre  1836,  wo
die  Production  28,000  Ctr.  betrug,  so  weit  vorgeschritten,  dass
der  indische  Zucker  nicht  nur  verdrängt  ist,  sondern  auch
trotz  der  Steigerung  des  inländischen  Zuckerconsums  von  4
auf  10V 2  Pfd.  pro  Kopf,  erhebliche  Quantitäten  alljärlich  zur
Ausfuhr  kommen.  Die  letztere  erreichte  im  Jahre  1872  die
Höhe  von  436,035  Ctr.  Von  den  im  deutschen  Zollgebiete
vorhandenen  324  Fabriken  (Bestand  am  1.  Januar  1873)  kommen ­
  244  auf  Preussen  und  78  auf  das  übrige  Deutschland.
            
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