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dieses nach Deutschland einführte. Die Fabrication des
Holzstoffes für die Zwecke der Papierfabrication wird sehr
schwunghaft betrieben. —- Papiertapeten insbesondere werden
in Hessen, Rheinland, Franken und Thüringen, Papp- und
Cartonnage-Arbeiten in Frankfurt a. M., Dresden und Leipzig,
Papiermachesachen im Thüringischen und Meiningischen in
grosser Vollkommenheit verfertigt.
Auf dem Gebiete der Fabrication von Leder und
Lederwaaren sind das Rheinland, Hessen und Eisass so
wohl durch die Qualität, als auch durch die Quantität ihrer
Fabrikate berühmt. Für feinere Lederwaaren sind Mülheim
am Rhein, Offenbach, Mainz, Berlin ebenso wichtige Plätze,
wie die Mosel- und Eifelgegenden, deren Eichenschälwälder
gute Lohe liefern, namentlich Trier und Malmedy, wegen
ihres zum grossen Theile aus importirten Wildhäuten fabri-
cirten dicken Sohlleders Ruf haben.
Ein- und Ausfuhr von Leder hielten sich im Jahre 1872
(mit rund 118,500 Ctr.) genau die Waage; in Lederwaaren
überwog die Ausfuhr um rund 28,000 Ctr.
Die Kautschuckwaaren-Industrie hat ihren Export
seit dem Jahre 1868 von 13,564 auf 47,451 Ctr. gesteigert,
während sich die Einfuhr von 4,009 auf 9,227 Ctr. hob. Har
burg, Berlin, Mannheim, Hannover leisten in dieser Branche
recht Tüchtiges.
Deutschlands chemische Industrie ist, obwohl ver-
hältnissmässig jung, doch sehr mannigfaltig und ausgedehnt.
Von grosser wirthschaftlicher Bedeutung ist vor Allem die
Fabrication von Säuren und Salzen, von Farbwaaren und von
Oelen. Die Schwefelsäurefabrication hat sich als metallurgi
sches Nebengewerbe vornehmlich bei den grossen preussischen
und sächsischen Silber-, Kupfer- und Bleihüttenwerken an
gesiedelt. Im unmittelbaren Anschluss an die Stassfurter etc:
Stein- und Kalisalzgruben ist eine grossartige Industrie chemi
scher Erzeugnisse entstanden, welche fast den gesammten
europäischen Markt beherrscht. Die Farbwaaren - Industrie
vertheilt sich auf eine verhältnissmässig grosse Zahl von Fabri
ken und Orten, am stärksten ist sie im Westen und Süden
von Deutschland (Stuttgart, Nürnberg, Schweinfurt) vertreten.
Eines kräftigen Aufschwungs hat sich die Bereitung der Theer-
farben (zu Höchst am Main, Elberfeld, Ludwigshafen a. Rh.,
Offenbach, Crefeld, Mannheim) zu erfreuen gehabt, Obgleich
erst seit wenigen Jahren bestehend, hat dieser Industrie
zweig es im Jahre lSJÜ^ttePsiJs zu einer Anilinproduction