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Full text: Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

XXVII 
dieses nach Deutschland einführte. Die Fabrication des 
Holzstoffes für die Zwecke der Papierfabrication wird sehr 
schwunghaft betrieben. —- Papiertapeten insbesondere werden 
in Hessen, Rheinland, Franken und Thüringen, Papp- und 
Cartonnage-Arbeiten in Frankfurt a. M., Dresden und Leipzig, 
Papiermachesachen im Thüringischen und Meiningischen in 
grosser Vollkommenheit verfertigt. 
Auf dem Gebiete der Fabrication von Leder und 
Lederwaaren sind das Rheinland, Hessen und Eisass so 
wohl durch die Qualität, als auch durch die Quantität ihrer 
Fabrikate berühmt. Für feinere Lederwaaren sind Mülheim 
am Rhein, Offenbach, Mainz, Berlin ebenso wichtige Plätze, 
wie die Mosel- und Eifelgegenden, deren Eichenschälwälder 
gute Lohe liefern, namentlich Trier und Malmedy, wegen 
ihres zum grossen Theile aus importirten Wildhäuten fabri- 
cirten dicken Sohlleders Ruf haben. 
Ein- und Ausfuhr von Leder hielten sich im Jahre 1872 
(mit rund 118,500 Ctr.) genau die Waage; in Lederwaaren 
überwog die Ausfuhr um rund 28,000 Ctr. 
Die Kautschuckwaaren-Industrie hat ihren Export 
seit dem Jahre 1868 von 13,564 auf 47,451 Ctr. gesteigert, 
während sich die Einfuhr von 4,009 auf 9,227 Ctr. hob. Har 
burg, Berlin, Mannheim, Hannover leisten in dieser Branche 
recht Tüchtiges. 
Deutschlands chemische Industrie ist, obwohl ver- 
hältnissmässig jung, doch sehr mannigfaltig und ausgedehnt. 
Von grosser wirthschaftlicher Bedeutung ist vor Allem die 
Fabrication von Säuren und Salzen, von Farbwaaren und von 
Oelen. Die Schwefelsäurefabrication hat sich als metallurgi 
sches Nebengewerbe vornehmlich bei den grossen preussischen 
und sächsischen Silber-, Kupfer- und Bleihüttenwerken an 
gesiedelt. Im unmittelbaren Anschluss an die Stassfurter etc: 
Stein- und Kalisalzgruben ist eine grossartige Industrie chemi 
scher Erzeugnisse entstanden, welche fast den gesammten 
europäischen Markt beherrscht. Die Farbwaaren - Industrie 
vertheilt sich auf eine verhältnissmässig grosse Zahl von Fabri 
ken und Orten, am stärksten ist sie im Westen und Süden 
von Deutschland (Stuttgart, Nürnberg, Schweinfurt) vertreten. 
Eines kräftigen Aufschwungs hat sich die Bereitung der Theer- 
farben (zu Höchst am Main, Elberfeld, Ludwigshafen a. Rh., 
Offenbach, Crefeld, Mannheim) zu erfreuen gehabt, Obgleich 
erst seit wenigen Jahren bestehend, hat dieser Industrie 
zweig es im Jahre lSJÜ^ttePsiJs zu einer Anilinproduction
	        
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