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MAK

Full text : Amtlicher Katalog der Ausstellung des Deutschen Reiches - Wiener Weltausstellung

Griigipe  VI

Leder-  und  Kautschuk-Industrie.
Die  Fabrication  von  Leder  aller  Art  bildet  einen  der  umfänglichsten ­
  und  wichtigsten  Industriezweige  im  Deutschen  Reiche  und
setzt  sehr  bedeutende  Kapitalien  um.  Neben  einer  grossen  Zahl
kleinerer  Gerbereien  sind  während  der  letzten  Jahrzehnte  grossartige
Fabriken  entstanden,  welche  mit  allen  neueren  Hülfsmitteln  der
Mechanik  und  der  chemischen  Technologie  arbeiten,  vorzugsweise
feinere  Leder  bereiten  und  hierfür  Absatz  nach  allen  Theilen  der
Erde  gefunden  haben.
Die  Lederfabrication  zerfällt  je  nach  den  Zwecken,  welchen  die
Leder  dienen  sollen  (Sohl-  und  Oberleder  für  Schuhwerk,  Sattlerleder, ­
  Verdeckleder,  Treibriemenleder,  Leder  für  Buchbindereien,
Portefeuille-,  Etui-  und  Galanteriewaaren,  Möbelüberzüge,  für  Wagenund
  Waggonzwecke,  Tapeten,  Hutausfütterung,  Handschuhe,  Beinkleider ­
  etc.  etc.),  und  nach  den  mit  Rücksicht  auf  diese  Zwecke  angew'endeten
  Gerbematerialien  in  verschiedene  Klassen  und  Unterabtheilungen. ­

Sohlleder  wird  aus  einheimischen  Ochsenhäuten  und  aus
importirten  Wildhäuten  durch  Gerbung  mit  Eichenlohe  dargestellt.
Die  deutsche  Gerbung  hat  gegen  früher  keine  wesentliche  Veränderung
erfahren;  insbesondere  sind  sogenannte  Schnellgerbe-Methoden,  welche
theilweise  in  England  und  besonders  in  Amerika  in  Aufnahme  gekommen ­
  sind,  in  Deutschland  nur  vereinzelt  und  mehr  versuchsweise
in  Anwendung  gebracht  worden.  Im  Allgemeinen  liefern  die  Schnellgerbe-Methoden ­
  auch  weniger  dichtes,  festes  Leder  als  das  ältere
noch  in  Deutschland,  Belgien,  der  Schweiz,  Dänemark  etc.  gebräuchliche ­
  Verfahren,  die  Häute  einer  langsam  fortgesetzten-Durchdringung
mit  Gerbstoff  in  Gruben  auszusetzen.  Dagegen  hat  man  für  die
Appretur  und  Verdichtung  der  Leder  durch  Hämmern,  Klopfen,
Walzen  etc.  auch  in  Deutschland  jetzt  vervollkommnete  mechanische
Einrichtungen  zur  Anwendung  gebracht.  Im  Süden  von  Deutschland
werden  mehr  Häute  von  einheimischen  Ochsen,  im  Norden  mehr
Wildhäute  für  schweres  Sohlleder  verarbeitet.  Die  Hauptsitze  der
Fabrication  von  schwerem  Sohlleder  und  guter  Gerbung  sind  in  den
Rhein-,  Mosel-  und  Eifelgegenden  (Trier,  Malmedy,  St.  Vith,  Prüm,
Siegen,  Saarbrücken),  Umgegend  von  Bielefeld,  Kupferhammer  bei
Brackwerde,  Provinz  Hannover,  Hildesheim,  Oldenburg,  Holstein,
Berlin,  Strassburg,  Nürnberg  und  Passau.  Die  Zahl  der  nach  Deutschland ­
  importirten,  grösstentheils  aus  Südamerika  bezogenen  Häute
            
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