278 Gruppe VI.
Bereitung; es producirt weit über seinen eigenen Bedarf, so dass
manche Fabriken nahezu ihre ganze Production an Wichsleder und
1/ — i/. an braunem Kalbleder xiir den Export arbeiten. Hauptorte
der Fabrication befinden sich im Grossherzogthum Hessen, in Baden,
im Eisass, in Württemberg, Bayern, Thüringen, Sachsen, Preussen.
— Mit Lohe gegerbte lackirte Kalbfelle werden seit dO Jahren
in grossem Umfang in Deutschland, zuerst in Worms, Mainz, Offenbach
und München, fabricirt, später auch an anderen Orten, insbesondere
in Döbeln in Sachsen, Weinheim in Baden, Frankfurt a. 1\1.,
Bar im Eisass, Saarbrücken, Hamburg, Harburg etc. Das beste
Rohmaterial, leichte feine Kalbfelle, liefern Ostpreussen und Polen.
Seit den letzten 10 Jahren hat sich die Production, welche zum
grössten Theil für den Export bestimmt ist, nicht vermehrt; es ist
sogar eine theilweise Einschränkung eingetreten, weil Wichsleder
und insbesondere Kalbkidleder für Schuhwerk in starke Aufnahme
kamen und dem Lackleder starke Coneurrenz machen. Die Mehrzahl
der grösseren Fabriken, welche früher nur Kalblackleder fabncirten,
machen ietzt, neben demselben, auch Wichs- und Kalbkidleder.—
Vom lackirten Kalbleder verlangt man, dass es biegsam, geschmeidig,
dauerhaft, und dass der Lack schön schwarzglänzend und nicht klebend
ist. Das deutsche Lackleder zeichnet sich durch diese Eigenschatten
aus; seine Schönheit und Weiche haben ihm überall, auch in Frankreich
, steigenden Eingang verschafft; ca. 4 / ä der Production werden
exportirt. England erzeugt diese Ledersorte nicht; es bezieht seinen
Bedarf aus Deutschland und Frankreich. — Weisse und farbige
lackirte Kalbleder, zu Hutgarnirungen bestimmt, werden von
deutschen Fabrikanten gleichfalls in vorzüglicher Qualität erzeugt
(München, Mainz etc.). — Schwarze und farbige lackirte
und genarbte Vacbetten, Wagenverdeckhäute liefern viele der
Leder-Lackirfabriken, insbesondere München, Mainz. — lvalbkid
ist mit Alaun und Eidotter gegerbtes Kalbleder, welches aut einer
Seite schwarz gebeizt und geglättet wird. Hauptproductionsorte
sind: München, Dresden, Worms, Mainz, Hamburg .Cassel, Baden.
Es werden in Deutschland gegenwärtig wohl 2 V 4 Millionen Kalbtelle
auf Kalbkid verarbeitet; mehr als % dieser Production werden exportirt;
kein anderes Land liefert durch Schönheit, Weiche und Geschmeidigkeit
hervorragenderes Fabrikat. — Ln ganzen Deutschen
Reiche dürften reichlich 5V, Millionen Kalbfelle pr. Jahr zu Leder
für Fussbekleidung (braunes und gewichstes Kalbleder, Lackleder,
Kalbkid) verarbeitet werden. (Hiervon kommen auf Worms 2,d00,tH)O,
Mainz 450,000, andere hessische Orte zusammen 200,000, München
600,000, Dresden 800,000 Stück.) .
Ros sie der ist eine Spezialität der deutschen Lederfabrication.
In England, Frankreich und Oesterreich wird kein oder nur wenig
Rossleder gearbeitet. Vor etwa 50 Jahren machte Gerbermeister
Berger in Altona Versuche über die Bearbeitung von Rossleder,
welche nicht ohne Erfolg waren und auch zu weiteren Versuchen
durch Andere Anlass gaben. Die Fabrication verbreitete sich von
Altona aus zunächst in den Herzogtliümern Holstein und Schleswig,
dann in andere Theile Deutschlands. Im Anfang war Rossleder noch
ein sehr untergeordnetes Product, welches theilweise für Sattler-